Erlösung/Berlin/Jazzfest/Der Darm

Der Mensch lebt nicht von Brot allein. Er lebt auch von Brezeln. Von Dinkelbrezeln strengenommen. Wenn es ihm dreckig geht in der Magendarmgegend zumindest. Dort wohnte der Wurm schon kurz vor der Abreise aus und auch noch kurz nach der Rückkehr aus Berlin. Ein Wurm, der spie. Allerdings kein Feuer. Nun. Dies hier, dieser Blogversuch, wird abgesehen davon, dass er ab sofort  immer auf die Schnelle gezimmert wird, da das Grand Opening beim JAZZ PODIUM, also die erste Heftproduktion, immer näher rückt und Zeit ein noch rareres Gut wird, das hier wird also mitnichten ein Wurm-Spezial,  ein Berlin-Spezial aber vermutlich schon. Mal gucken. Berlin ist war für Orientierungslose, die was losmachen wollen, aber aus Eigenantrieb nix vermögen, weshalb sie viel Umtrieb um sich rum benötigen, nicht zuletzt um sich selbst am Leben zu wissen, das ungefähr war seit längerer Zeit, seit ca. Mitte der Neunziger, die Ansicht des unten Gezeichneten; wer Kreativität in sich trage, der brauche kein einziges Berlin nicht. Der kann überall. Vor gut 20 Jahren konnte man Berlin ein wenig für andere Dinge schätzen. Für den noch frischen Clash von Ost und West zum Beispiel.  Von Reibung kommt Energie, dachte man und war gespannt welche. Nicht viel kam. Es war statt dessen an zu vielen Berliner Ecken schlicht häßlich. Und zugig. Und wenn mal im Babylon ein guter Film lief oder der Castorf gerade einen Eklat vorfuhr  und man da zu sein hatte, aber gerade in An der Alten Försterei stecken geblieben war, dann galt es da  eine Entfernung zu überwinden unter deren Last man gut wahrnehmbar stöhnte. Und kein vernünftiger Kuchen in Sicht in Berlin jener Jahre. Und dann die Berliner mit deren unreinen Schnauzen auf die sie sich maßlos was einbilden. Und die Leute überhaupt, zwischen bieder und „Erlösung/Berlin/Jazzfest/Der Darm“ weiterlesen

Durch Süße zum Staub

Wenn schon OTTO, der traditionsreiche, selbst lange genug todesaffine  Versandhändler, mit Untoten wirbt, wo soll es denn dann mit dieser gutesten aller guten Welten hingehen? Geradewegs unter die Erde? Es sind strenggenommen untote Kannibalen, gemeinhin Zombies genannt, die da bei OTTO in der Ottonormalverbraucherküchenzeile zwei Techniker im Pulk bedrohen, die gerade was installieren wollen. Wenn aber deutsche, mittelständische Technik aufgefressen wird, wo soll es dann etc. ? Außer, dass man lobend erwähnen sollte, dass hier ein verschnarchter Traditionalist mal was in Reklamedingen wagt und dabei leicht geschmacklos wird und sich einen Tick übers Ziel hinaus wirft, außer dem: Warum auch nicht; man kann diesen Werbespot, ohne allzu in die Tiefe gehen zu wollen, getrost als ein zeitkritisches, gesellschaftgeiselndens, besonders die Zustände im zerfallenden Mittelstand anprangerndes Stückchen ottoisierter Filmkunst sehen und nicht nur als einen Gag, der kurz vor Halloween anfällt, jenem Fest, das hier, ein alter Ami-Trick, ohne Wurzeln Nährboden fand. Man sollte sich fest vornehmen, all jene Kinder, die da im Laufe der nächsten Woche vor der Haustür mit „Süßes oder Saures“ auf den unwissenden Lippen, mit dem dickleibigen OTTO-Katalog von Annodazumal einen überzubraten. Und zwar derlei, dass es nicht so sehr aus dem Katalog, vielmehr aus dem unwissenden Schädel staubt. Halloween ist – alleine schon durch eine Überzuckerung der „Durch Süße zum Staub“ weiterlesen

Leben fällt aus

Diesmal fällt der Blog aus. Kein Einfall und – falls es einen geben sollte – keine Zeit da, um ihn aufzuschreiben. Schade. Und furchtbar unangenehm; ist aber so. Es gibt halt Momente an Tagen, wo was zusammenpasst, und dann Momente, wo man sich was zurechtackert und kaum zu Atem kommt. Fällt also aus. Nicht mit Absicht, aus purer Not. Selbstverständlich. Die Welt gibt es  noch und man müsste in sie nur aufmerksam genug hineingucken, schon wären genug Subjekte da um sie als Objekte exzessiv zu beschreiben. An sich überhaupt keine Schwierigkeit. Das Geld mag nicht auf der Straße liegen, gelegentlich vielleicht zwei zwei Cent Stücke, die Themen aber schon.  Man läuft allerdings nicht jeden Tag mit offenen Augen & Ohren durch die eigene kleine Welt. Man ist auch mal  komplett  zu und damit undurchlässig. Tagelang mitunter. Nimmt nix an von dieser Welt. Gibt auch nix an sie weiter. Lässt sie ohne einen schmoren. Soll diese W. mir wegbleiben, mag man sich tagein tagaus vormurmeln, dämlich wie sie ist, nichts für Hirne wie dieses hier. Hirne, die die auf der Erdkugel waltende Dämlichkeit durchschauen. Mag man schon mal sagen.  Doch wohin mit sich dann, wenn diese Welt gerade so gar nicht „Leben fällt aus“ weiterlesen

Pillars: intakt & nicht

Säulen bestimmten den Verlauf dieser Woche. Säulen in unterschiedlichen Ausfertigungen. Das kommt so selten vor, dass es eine Erwähnung verdient. Weil: Wie auch immer geartete Säulen gehören zu uns dazu. Weil: Stützen ist wichtig. Braucht ein jeder. Es muss jetzt nicht an dieser Stelle großartig theorielastig werden. Mit den Eingangsworten ist auch nicht so sehr gemeint, dass die Aussichten auf das Zusammenkrachen der vermeintlichen Säulen des Freisstaates an diesem Sonntag so gut sind wie noch nie. Jene Säulen, ohnehin aus Krachledernem gebaut, sind faul genug und verdienen ein übles Ende gewiß. Nein, die CSU und ihr Markus, kein Bibeltreuer, ein Verlogenheitsapostel diesmal, dürfen sich hier nicht raumgreifend ausbreiten. Sie sind Vergangenheit, wie die Volksparteien insgesamt. Die Grünen aber kommen auf. Das freut. Die Säulen, um die es hier geht sind mehr Pillars. Das ist dann englisch für Säulen. Pillars heißt das neue Album von Tyshawn Sorey, einem US-amerikanischen Schlagzeuger und Komponisten, den man dem Jazz zuordnet, der aber weit darüber hinausblick und auch hinausgeht. Sein Werk, denn es ist ein Werk, besteht aus drei CD’s und einer LP;  selbstredend auch als Download habbar. Es sind weit über drei Stunden Musik. Da muss man erstmal durch; da MUSS man durch – alleine um sein eigenes Leben zu weiten. Um ihm eine neue Wendung zu geben. Nicht eine diametral neue, aber eine „Pillars: intakt & nicht“ weiterlesen

Geht besser runter: Einheit mit Puffer und Mus

Der Tag der Deutschen Einheit ist vorüber, doch das Einheitsgefühl zwischen Ost und Süd, zwischen West und Nord hält an.  Das wird an den Kartoffelpuffern liegen. Oder eher den Reiberdatschi; weil sie hier,  im Bayerischen am 3. 10. hergestellt wurden; zwar nicht ganz pünktlich zur Mittagszeit zwischen zwölf und eins, wie es dem Deutschen lieb ist, doch hergestellt in jedem Fall.  (Nicht zu verwechseln mit Räuberdatschi: So wird der Söder in der Bayr. Staatskanzelei von den Sekretärinnen gerufen.) Mit Hilfe der polnischen Zerkleinerungsmaschine aus dem Hause „Zelmer“ geschah das – wenn nicht gelogen, ehemals, d.h. zur Zeit von „Iron Curtain“, ein Produkteur, da reden wir mal à la Franzmann, von Panzerfahrzeugen.  Man darf ruhig eine militärische Anmutung in so einen Puffer hinein interpretieren, bei ordentlich viel Interpretationswillen allerdings nur; wie in den Söder, weil ja die Wahl hier anfällt, die Fähigkeit zur Emphase. Ganz fraglos: der Puffer eint besser als jeder Bruderkuß. Doch liegt er letztlich allzu hilflos, da wie ein Fladen, vor einem und wartet auf die kulinarische Verfeinerung, die da heißt – na, wie? Was ist des Deutschen unwidersprochener Beitrag zur Haute Cuisine? Genau: das Apfelmus. Puffer (aus Linda) und Mus (aus Boskop) macht deutschlandweit und  neben Tristan und Isolierisolde: das Liebespaar schlechthin.  Geschmacklich wenig differenziert, überaus grau/unauffällig im Outfit, stopft aber gut. Deshalb schon alleine für die Feier des geeinten Deutschlands der ideale Mittagstisch.  Wer wenig Erfahrung mit der BRD hat, sie aus erster Hand kennenlernen möchte, der fange doch bitte mit dem gerade erwähnten Paar an. Ein anderes gutes Paar gibt es allerdings auch. Das Ehepaar Meuth und Neuner-Duttenhofer nämlich, das gelegentlich im Dritten in einen Tick braver, aber letzlich kreativer Manier aus dem kulinarisch gut „Geht besser runter: Einheit mit Puffer und Mus“ weiterlesen

Kickl plus die Pam gleich U6

In Wien gibt es das noch. Dass ein junger Mensch in der Straßenbahn oder der U6 aufsteht, um einem älteren Menschen, der nicht mal gebrechlich ausschaut, Platz zu machen. Das sind Manieren von vorhnhinein, als Österreich bzw. Kaiserthum Oesterreich  weltweit noch was galt – ca. 1824, als Beethoven, schon mit Hörröhre, den Puls der gegen Taubheit immunen Landeshauptstadt bestimmte.  Im Augenblick ist es schwieriger mit Österreich, trotz vorübergehender  EU-Regentschaft und des  Gipfels in Salzburg. Dort hat man dem Mozarteum, wo sonst Musik im Windschatten  Beethovens Trumpf ist und wo sich die  EU-Wasserköpfe trafen, wo aber auch die Medien untergebracht waren, eine nagelneue WLAN-Anlage für 600000 Euro oder was spendiert, da die alte nicht up to date und dem EU-Tross nicht zuzumuten war. Die Innenstadt hat man zudem für Unsummen abgeriegelt, die ansässige Bevölkerung fast schon evakuliert etc. Das war zweifellos der Gipfel. Wie auch das Verhalten des österreichischen Innenministers, dem die taz gestern sowie der Falter ab Donnerstag – Falter: mehr als nur ein wöchentliches Stadtmagazin, vielmehr ein kampflustiges Streitblatt mit äußerst fähigen Schreibern in den Reihen –  Seiten gewidmet haben. Herbert Kickl von der FPÖ nämlich, so der fast lautmalerische Name des Ministers, hat ein internes Mail verschicken lassen, das den Innenministeriuminsassen vorgibt, kritische Medien mehr oder minder nicht zu bedienen. Z.B. eben den Falter und die Tageszeitung Standard. Falter bildete daraufhin ein Foto eines „Kickl plus die Pam gleich U6“ weiterlesen

Der Wille will. Ein anderer nicht.

Das Holz hätten die Schlagwerker auf Klang geprüft, auf meterlange Balken erst zuschneiden und die dann am mannshohen Gerüst aufhängen lassen, sagt Alexander. Ein ordentlicher Aufwand, für den doch recht kurzen Einsatz und weil es meines Wissens nur um zwei Konzerte ging: eines in Berlin vor zwei Wochen und das am vergangenen Mittwoch im Münchner Gasteig, wo die Münchner Philharmoniker zu Hause sind. Aber nicht nur der Effekt von Holz aus war überwältigend. Das gesamte Stück haute einen, um Heidegger zu zitieren, von den selbstgestrickten Socken. Es handelte sich dabei, das ist jetzt die fällige Ergänzung, um Bernd Alois‘ Zimmermanns „Ekklesiastische Aktion“. Dies war die letzte Partitur, die Zimmermann vollendete. Fünf Tage später brachte er sich um. Um es abstruser, aber auch zeitgemäßer – zumindest für die Siebzigerjahre, wo die Republik vor lauter Kraft und Wohlstandszuwachs nicht wußte wohin mit sich – zu gestalten: Für die Olympischen Spiele 1972 hat  Zimmermann seine Aktion notiert, als Auftragswerk für die Segelwettbewerbe  in Kiel genaugenommen. Eine dezente Frage zwischendurch: Welches Sportkommitee würde heutzutage einen als „schwierig“, nein, gar nicht wahr, als: „ausgesprochen schwierig“ deklarierten Komponisten der Neuen Musik mit einem Stück für zwei Sprecher, die die Bibel und Dostojewski deklamieren sowie einen Sänger, der mitunter längere Leidensgeräusche von sich gibt plus Orchesterapparat, der fast durchgehend „Der Wille will. Ein anderer nicht.“ weiterlesen

Iggy sagt: DB, wir sagen: JAZZ PODIUM

Um die Welt steht es schlecht, das wissen wir seit vorgestern.  Aber dass es um sie derlei schlecht steht, das wußte man bislang nicht: Ein Iggy Pop wirbt für die Deutsche Bundesbahn. Mit seinem Song „The Passenger“ in einem Werbespot, und mit seinem Gesicht in der in den Fernzügen ausliegenden Zeitschrift „mobil“. Pop, eigentlich James Osterberg, ist das Gesicht des Punkrock. Ein Veteran, der auf der Bühne auch mal ohne groß zu überlegen ins Extrem ging. Ein Unangepaßter.  Keiner, der sich der Masse andient. Nun aber, wie wir aus dem durch „mobil“ geführen Interview erfahren, lebt er, über 70 mittlerweile, gesund und schont seine Knochen gehörig .  Pop ist sicher kein Schwachkopf. Er denkt nach, bevor er was sagt – seine Worte zur Gegenwart und Berlin sind gut konstruiert – und hat seinen Freund David Bowie, der seinerzeit dem Exzess nicht abgeneigt war, immerhin deutlich überlebt. Dennoch ist es hoch unerfreulich, Idealen beim Verscherbeln ohne Not zuzusehen. Eine durch und durch traurige Angelegenheit, die da besagt: Alles/Jeder/Jede ist offenbar käuflich. Dass die Welt zugrunde geht, das erfährt derjenige/diejenige endgültig, die/der den Zug am Kopfbahnhof in der schwäbischen Hauptstadt verläßt und sich die Fortschritte bei Stuttgart 21 anschaut. Das kann man ganz leicht, denn dafür hat die Deutsche Bahn an beiden Seiten der dicht umwickelten  Baustelle Gucklöcher angebracht, so dass man dem Fortschritt sozusagen beim Werden zugucken kann. Durch eins der Gucklöcher sieht man dann einen Krater oder Grube, die bis zum Mitteplunkt der Erde (Jules Verne) zu führen scheint. Dorthin also, wo wer wohnt? Der Satan leibhaftig? Niemanden sollte es wundern,  wenn sich die Erde eines Tages, allein wegen menschlicher Anmaßung, derlei übergibt, dass „Iggy sagt: DB, wir sagen: JAZZ PODIUM“ weiterlesen

Der Mensch dem Menschen.

Homo homini lupus. Ja, ist mal ein ausgelutschter Satz von Gewicht. Man könnte im Folgenden so tun, als wäre man unter antiken Römern großgeworden, als guter Christ in den arg feuchten Katakomben damals; als hätte man das GROSSE LATINUM, auch könnte man tun. Dabei ist es nur das KLEINE. Nachträglich auch noch. Und mit viel Wohlwollen seitens der unterrichtenden und anschließend prüfenden Dame, der Name: entfallen, an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen. Dies wird nun hier angebracht, weil es unumgänglich ist, bei Einfallslosigkeit auf Ausgelutschtheit zu setzen, und weil der Eingangssatz immer und überall passt obendrauf. Es sei denn, man läuft blauäugig durchs Leben. Wir haben jetzt nicht speziell was gegen den Wolf, der bei diesem Satz sowie bei den Gebrüdern G. maßlos überschätzt wird, gegen den Menschen aber schon. Kann man wieder so sagen, nach Chemnitz und mit Seehofer im Nacken. Die Kommentare dazu sind durch, die sparen wir uns. Wir warnen nur pflichtbewusst vor dem Menschen an sich. Wer mag, darf gleich die Polizei „Der Mensch dem Menschen.“ weiterlesen

Der Süden. Vom Süden aus scharf angeguckt.

Es ist schon auffällig, wie viele Kräfte im Servicebereich in unseren Gegenden nicht Muttersprachler sind. Warum wohl so viele mit deutlich unblasserem Teint als wir und nicht ungebrochenem Deutsch gerade im Gastgewerbe ihren Platz finden? Hat sich jemand schon mal einen Gedanken darüber gemacht? Nein, gar nicht in erster Linie, weil gerade auf diesem Sektor Arbeitskräfte fehlen und zugleich die Entlohnung so niedrig ist, dass sich ein Vatersprachler viel zu schade dafür ist. Nein. Vielmehr, dies eine vorläufige These, weil die Leute, die zu uns zumeist aus dem Süden und dem südlichsten Süden kommen,  Gastfreundschaft im Blut haben. Sie sind quasi von ihrer Natur aus und also grundsätzlich dem Menschen gegenüber freundlich gestimmt. Oder tun überzeugend als ob, was aber in der Außenwirkung aufs Gleiche hianus kommt. So fällt es ihnen auf jeden Fall nicht schwer,  Wünsche zu erfüllen. Nicht nur in Spelunken  sind diese Menschen tätig, auch in traditionellen Betrieben. In Wien zum Beispiel bei den Kaffeehäuser, die ja ein wesentlicher Ausdruck  der urösterreichischen, wenn nicht gar kaiserlich-königlichen Lebensweise (Kürzel: k.-k. L.) sind.  Dort sind mittlerweile viele Ober mit fremdländischen Wurzeln unterwegs, die jene barsche Tonart der alteingesessenen Kaffeehauskellnerriege abzumildern im Stande sind.  Das tut Not. Auch wenn gleichzeitig ein Vergangenheitseinsprengsel (der gewohnt-barsche Umgang) zugrunde geht. Jetzt könnte ich auf die Idee kommen und „Der Süden. Vom Süden aus scharf angeguckt.“ weiterlesen