Kein Wort zu Jazz Podium – nicht offen; verdeckt aber schon

Wenn man  hier ernsthaft ein Tagebuch betriebe, was  ein Blog ja ursprünglich sein wollte, dann wäre es im Moment eine kreuzöde Angelegenheit.  Dann stünden hier derzeit Sätze wie: Schweiß des Angesichts, hartbödiger Ackergrund, auf zum Spaten, die Gruft verlangt nach bodys. Ja, zumal im Augenblick, wo die Arbeit kompromißlos und zu oft humorfern im Vordergrund steht.  Es geht voran, Geschichte wird gemacht, nicht frei, sondern eng nach Fehlfarben, der Band mit dem einen Hit, aber vielen kompromißlosen Gedankengängen, könnte man in diesem Zusammenhang anmerken, wäre man selbstbewußt oder frech, was oft genug zusammenfällt, oder naiv wie Kaspar Mütze, der pudelbemützte Halbtrottel – ist er doch? oder sieht es jemand anders? – aus dem Hause Janosch. Geschichte wird allerdings immer gemacht, nicht dringend im  großen Stil oder weltbewegend, aber die persönliche Geschichte wird ja mit jedem Atemzug weitergesponnen. Bis zum letzten, nun, Atemzug; manchmal auch darüber hinaus, durch Erinnerungen von Mitmensch und Hund. Endet also in kompletter Unwahrheit, wenn man nicht aufpaßt. Doch wie paßt man vom Jenseits aus auf? Das ist eine dieser „Kein Wort zu Jazz Podium – nicht offen; verdeckt aber schon“ weiterlesen

Jazz Podium: die gestaltete Gestalt

Wir sind auf der Suche. Das könnte man als Satz so stehen lassen und er wäre für sich, so blank und dezent kryptisch, nicht unrichtig.  Ein bisschen allgemeinplatzig, aber im Ganzen: Kann man starten mit. (Allemal in einen Blog mit moderatem Anspruch auf Sinnschöpfung.) Wir sind auf der Suche nach einer Gestalt, fasst es genauer. So genau aber wiederum dann doch nicht. Gestalt: Das kann man so sehen oder so. Man kann sagen: Wir suchen eine Gestalt zeitlebens. Dann wird es sehr allgemein und diese Behauptung/These/Sentenz erhält einen beinahe philosophischen Anspruch. (Philosophie kommt ja von Phillipa, der lustigen Nudel von nebenan; und philosophische Klimmzüge sind die Nr. 1 Just for fun-Bewegungen der Mittzwanziger heutzutage; wer es nicht glaubt, lese bitte in der Frau im Spiegel vom November 1986 nach.) Der interessiert uns aber gerade herzlich wenig, der Anspruch. Weil es doch klar ist, dass es dieses Satzes an dieser oder egal welcher Stelle nicht dringend bedarf. Denn: Selbstverständlich will man wer werden. Eine Person oder gar Persönlichkeit von klaren Konturen. Mit Rückgrat auch noch.  Ein Jemand, der unverwechselbar ist, aus der Masse der Reihenhausbesitzer heraussticht,  dem aufmerksam zugehört wird, dem nahezu alles Glück dieser Erde ob seiner Besonderheit zufällt, gern gottgleich, wenn man sich den Vollbart wegdenkt, einer/eine, dessen/deren Befehlen man folgt bis in den … Hoppala, das geht jetzt minimal zu weit. Aber wir haben immerhin einen Eindruck, was mit dem Beinahe-Gemeinplatz gemeint ist. Wenn man eine Gestalt aber sonst sucht, ganz unphilosophisch, vielmehr konkret, wo findet man die? Als Zeitschrift, danach wird nämlich gefragt. Aber bitte – wonach sollten wir schon an dieser Stelle fragen, wenn nicht nach dem Jazz Podium erneut mal. Dem Podium, so „Jazz Podium: die gestaltete Gestalt“ weiterlesen

Jazz Podium: ganz in Walnuß

Heute mal, das die Ausnahme, ein paar Worte zu einem Themenstrang, den jeder kennt: zum Broterwerb. Wir erwerben ja stinknormalerweise Brot, indem wir es beim Bäcker, die Unsäglichen unter uns: beim Discounter, für Bargeld (Kupfermünzen gibt es als Ein-, Zwei- und Fünfcent-Stücke, Messing oder was das ist, als Zehn-, Zwanzig- und Fünfzigcentstücke, die Baknoten sind: rot, grün und oft eingedreckt), die Unsäglichen unter uns: per PayPal, erstehen.  Bei Kasprowicz derzeit besonders empfehlenswert: die Walnußsemmeln zu 75 Cent (ein messinghafter 50 plus 20 plus kupferhafter Fünfer; oberbayerische Preise – ungelogen). Brot ist an Erwerb gekoppelt wie Doof an Dämlich, im Original: Stan & Laurie – hierbei der Doofe nicht unbedingt doofer  als der Dicke. Wer eine frische Walnußsemmel jeden Wintermorgen (7:56 Uhr) will, der muss ans Geld. Wie? Eine zugegeben kindische Frage. Durch Arbeit. Durch Arbeit zum Geld, durch Arbeit zum Glück, durch Arbeit in Gruft.  So die Reihenfolge, frei nach Adam R. Kasprowicz, dem Walnußdompteur. Unser Leben ist im Augenblick ein Sack voll Walnußsemmeln. Man mag nicht allenthalben jammern, aber gelegentlich muss es raus: Kann man überhaupt „Jazz Podium: ganz in Walnuß“ weiterlesen

Das Jazz Podium-Leben

Das JAZZ PODIUM für Februar steht. (Nicht nur der billigen Pointe, auch um der Wahrheit willen wäre es hier angebracht hinzuzufügen: Wir aber schwanken, oder dergleichen. Tut aber an dieser Stelle keiner. Zu billig. Pfui Pharao; wie Lotta aus der Krachmacherstraße sagt, wofür sie geschimpft kriegt, obwohl sie doch tadellos für ihr Alter, sie ist noch deutlich ein Vorschulkind, Pharao aussprechen kann.) War schon ein Aufriss und ein Act und ein Hieven und Stemmen und all dies. Doch letztlich sind wir direkt am Mittwoch fertig geworden. Am Donnerstag gingen dann die gelayouteten Seiten pünktlich an die Druckerei.  Der Hersteller in Sindelfingen hat sie dort hin geschickt. Manch eine letzte Korrektur haben wir ihm am Telefon ducrhgegeben, die zu korrigierende Seite aber am Schluß gar nicht mehr gesehen. Aber wir vertrauen ihm; er ist erfahren. Ein bisschen – im übertragenen Sinne, denn seine Gebrechen kennen wir nicht – steif in der Hüfte, da er seine gestalterischen Prinzipien hat, von denen er ungern abweicht, von denen es aber dann und wann abzuweichen gehört. Andererseits strahlt er eine gewisse Ruhe aus; wenn man es nicht Behäbigkeit nennen wollte. Doch selbst Behäbigkeit täte uns in all der Hektik um die Produktion gut.  Es gibt dann über Tage nämlich einen Punkt, da weiß man nicht, wohin zuerst. Überall Baustellen oder gar Löcher. Dann stirbt auch noch ein Musiker, den man unbedingt zu würdigen hat. Dann geht es ans Schreiben, obwohl man gerade mit der Fotoauswahl für diesen oder jenen Text „Das Jazz Podium-Leben“ weiterlesen

Silvester für Schwächlinge

Sich vom Jahr zu verabschieden, das fällt nicht schwer. Nicht nur diesmal, immer. Ein herzliches: Hauab! genügt da. Vom alten Jahr wissen wir alles, das neue verspricht. Ob es hält? Niemand weiß. Man kann noch so fleißig spekulieren, Pläne schmieden, sich mit Listen für gute Vorsätze ausstatten – alles im Grunde Arbeit ohne Wert. Das Jahr wird uns garantiert überraschen. Im Guten wie im Bösen. Das ist doch eines jeden Jahres Merkmal: die Überraschung. Das sollte den Menschen an sich auf den Boden bringen. Dass er es nicht in der Hand hat, was da auf ihn zukommt. Dass er bloß eine Spielfigur, manch ein Skeptiker sagt: Witzfigur, in einem Spiel ist, dessen Regeln nur bedingt menschengemacht sind. Bringt es ihn auf den Boden? Auf den Hosenboden allenfalls, wenn er am Silvester noch vor Mitternacht nach einer Batterie Kleiner Feiglinge erst taumelt, dann fällt. In den Dreck fällt, weil es ein Dreckswetter dort draußen ist; ein Blick durch das vom Alten Jahr – genau, dem mit dem langen, gutbösezerzausten Bart – verschmierte Fenster reicht da um 9:07 Uhr aus. Die Freude an Silvester ist ein Ablenkungsmanöver. Man läßt die Vergangenheit möglichst laut zusammenkrachen, alleine, weil es vergangen & damit gegessen & man zu faul ist, um darauf zurückzublicken & daraus eventuell was zu lernen fürs Kommende, und freut sich aufs Neue, wovon niemand weiß, nicht mal Rumpelstilzchen, das wohl weiß, wie es heißt, was es denn bringt. Vielleicht den Tod. Vielleicht noch längeren Bart. Was ist das für Haltung? Eine, allemal von Lebensskeptikern aus, anzweifelbare Haltung. Silvester bringt es nicht. Silvester ist was für Schwächlinge, die harte „Silvester für Schwächlinge“ weiterlesen

Das Christkind: gestreichelt, nicht gerührt

Man kann klagen über den Mangel an Zeit, wie an dieser Stelle schon mal gelegentlich geschehen, doch merkt man jenen Mangel erst wirklich, wenn es Dezember 18 wird. Wo nicht mal Zeit für einen geraden Satz außerhalb der Jazz Podium-Welt bleibt. Diese Welt verlangt von einem nämlich derzeit vor allem eins: alles. Kein (bislang halbwegs fest einzementierter) Stein bleibt auf dem anderen, kein Familienmitglied auch nur peripher betreut, keine bisherige Ordnung insgesamt unangetastet. Der Beruf hat einen gefressen. Man teilt dabei das Schicksal von so vielen Menschenkindern.  Man opfert sich zwar in dieser zerstörerischen Weise nicht immer, doch beim JP dann doch schon ganz und gar freiwillig. Weil Jazz eine Haltung des Geistes ist, das nicht zuletzt. Und Arbeit ein Motor, der Erfüllung verheißt; weil Leistung ein Maßstab für Tauglichkeit als Mensch und als Maschine  ist; auch weil Zeitungmachen  – zwischendurch – Euphorie erzeugen kann; allemal, wenn man schließlich ein Eigenerzeugnis in den Händen hält.  (Journalisten haben eine Lebenserwartung, die knapp über der von Einstagsfliegen liegt; das nur am Rande und keineswegs als Klagelied angelegt.) So eine Herstellungsprozess „Das Christkind: gestreichelt, nicht gerührt“ weiterlesen

Uma

(Um mir den kommenden Blog zu sparen, doch gerade noch rechtzeitig vor Nikolaus, der Anfang einer Geschichte, die ich vor vielen, vielen, vielen Jahren geschrieben habe und die keins der Kinder vorgelesen haben oder selbst lesen wollte. Die komplette Geschichte gibt es auf dieser Seite in der mager bestückten Geschichten-Rubrik. – Die Formatierung ist hin, ich weiß. Kann aber im Augenblick nichts gegen sie ausrichten.)

Uma steigt ein – und aus

– Steig ein, sagte Mama, und Uma stieg ein. Die Mama rief noch: – Und grüß mir den Papa, mein Mädchen. Vom Eingang aus winkte Uma der Mama, dann schloss die Zugtür schon. Uma rieb sich die feuchte Stelle auf ihrer Wange ab, die Mamas Kuss hinterlassen hatte, und rollte ihren Koffer vor zu ihrem Platz. Wagen 511, Sitz Nummer 51, eine Eins machte da den Unterschied nur. Fünfhundertelf minus 51, was ergibt das? Wie viel noch? Sie rechnete im Gang mit den Fingern. Weniger als Fünfhundert, das auf jeden Fall, aber … Da drückte von hinten jemand gegen sie. Dermaßen gewaltig, dass sie fast umfiel. Gerade so noch konnte sie sich festhalten. Am Haar einer Frau im Sitz daneben. Uma flüsterte: – Entschuldigung. Die Frau schaute nicht mal hoch zu ihr. Von hinten hörte Uma stattdessen eine Männerstimme voll Ungeduld sagen: – Los, los Kleine, aus dem Weg jetzt. Uma machte sich dünn. Ein dicker Mann fast ohne Kopfhaar, der eine schwere Sporttasche über der Schulter trug, zwängte sich an ihr vorbei. Kein Haar auf dem Kopf, dafür wucherten seine Brauen üppig und auch aus der Nase sprossen ihm schwarze Härchen. Uma sandte dem Mann einen stummen Fluch hinterher: Des Belzebub Fluch sei mit dir, du bist kein Mensch, du bist ein Tier. Nicht dass der Fluch jemals gewirkt hätte, aber er besserte Umas Laune. An ihrem Platz angekommen, öffnete Uma mit einem geübten Ruck den Reißverschluss des karierten Koffers, den ihr die Mama vor zwei, drei, nein, gar nicht wahr, vor vier Jahren vom Kongress der Physiker in Glasgow mitgebracht hatte. Sie klappte den Deckel auf. Den im Batteriefach rostigen CD-Spieler, den ihr Vater auf einem Flohmarkt aufgetrieben hatte, nahm sie heraus – sowie eine Brotzeitdose, die Vollkornsemmeln in der Tüte, das Taschenmesser, die Schachtel mit den Feen aus Filz. Sie steckte all das in das Netz, das unten an der Rückenlehne des Sitzes vor ihr angebracht war. Eine Weile wühlte sie noch im Koffer. Wo waren denn zum Teufel noch mal die Plüschkatze und das wollene Haflinger-Fohlen, das ihr Onkel Egon, der Förster vom Silberwald, geschenkt hatte? Hier im Koffer waren sie jedenfalls nicht. Sie hielt die Tränen zurück, klappte den Deckel zu, schloss den Verschluss. Der Mensch war nicht perfekt. Nie gewesen. Sonst wäre er nämlich schneller als das Gepardmännchen. Und besser gekleidet als der Ara. Und netter anzuschauen als jedes Reh. Und kräftiger als eine Ameise. Sie versuchte ihren Koffer in die Ablage zu heben, schaffte es aber bis zu den Kleiderhaken nur, die Kräfte verließen sie dann, der Koffer fiel runter – auf die leeren Sitze gottlob. Sie schaute sich um. Passagiere. Mitreisende. Leute. Jedes der Gesichter erzählte ein Leben. Stand so in einem Buch, das sie in den Ferien gelesen hatte. Dieses Leben konnte gelungen sein oder nicht. Ein Passagier konnte ein Kotzbrocken sein, der andere ein gescheiterter Zauberer, wieder ein anderer ein astreiner Engel. Sie fragte schließlich einen alten Mann, der in der Reihe neben ihr eine Zeitung las. Dass er alt war, erkannte sie, weil er eine Zeitung fast ohne Bilder las. – Helfen Sie mir bitte?, fragte Uma. Die Frage geriet ihr zwar leise, aber verständlich.

Jazz Podium dahoam

JAZZ PODIUM ist nun umgezogen. Am vergangenen Freitag; von Stuttgart Vogelsangstraße 32, wo es Jahrzehnte residierte, zu uns. Die Adresse lautet nun, fast wie bestellt:  Am Neuland 12.  Wird auch Neuland. Obwohl nicht komplett, weil wir ja wenigstens partiell in manch einem Bereich vom Fach sind. Wird schon – und wird anders. Für alle ums Jazz Podium rum. Für diejenigen, die sich verabschieden, und diejenigen, die da sein werden, diejenigen, die es lange gemacht haben, und diejenigen, die es machen werden. Für die Leser auch. Wir schauen, was geht, dann sehen wir, was kommt. Jetzt aber eine Danksagung, die bei  jedem Buch/Blog, jedem längeren Wisch im Prinzip, der nicht von kompletter Egomanie geprägt ist, oft an den Anfang gehört. Danke zunächst an die Stuttgarter, die all das Archiv ganz solide und überaus vernünftig verpackt hatten, so dass es bei uns im perfekten Zustand ankam; an Frau Endress, an Frau Zimmerle und Frau Walker,  ebenso an Herrn Zimmerle und Herrn Weiller. Nicht weniger großen Dank aber an die Helfer, die bei uns im Dunkeln und leichten Regen die deutlich über 100 Kisten plus paar Metallschränke und Mobiliar in einer Rekordzeit – wie vornehmlich der Hanseate gelegentlich von sich gibt: wuppten. (Erster Stock, ohne Aufzug.) Danke also an Maria, Silke, Regina, Helena, Balthasar, Helmut, Malte, Vincent. Bedanken wollen wir uns ebenfalls bei der Umzugsfirma Bär. Wir werden uns gern an den netten Trupp aus noch jungen Leuten erinnern, mit denen man nicht nur über dies, sondern auch über „Jazz Podium dahoam“ weiterlesen

Wir, linksaußen als Kalb

Einen Geburtstag würdig und schon gar erinnerungswürdig zu begehen ist so leicht nicht. Nicht jeder hat sowieso den Antrieb und die Laune, schon klar; dann soll er/sie es auch lassen, auch gut. Doch wenn schon begehen, dann bitte krachend und scheppernd. So dass der Kater am Tag danach nicht auf allzu leisen Pfoten kommt. Dass der Kopfschmerz die Erinnerungswürdigkeit für die nachfolgende Generation festmacht. Wenn nicht gerade Freitanz oder geburtstagsadäquate Versteckspiele angesagt sind und man einen Platz auf der Eckbank am Holztisch zugewiesen bekommt, ist man allerdings einen Abend lang festgenietet und seinen Nachbarn also für Stunden ausgeliefert. Ein Glücksfall, wenn einer der Nachbarn was zu erzählen hat, das erzählenswert ist. Neulich schon. Neulich erzählte ein Geburtstagsfestnachbar von Patagonien. Von den Einöden im chilenischen Teil Patagoniens. Wie da ein hübsches Mädel, sein Ausdruck, ein Kalb schlachtet; und fachmännisch hernach zerlegt; und zwar nur, weil es das Kalb nicht auf den Pickup rauf kriegt, um es in dem weit, weit entfernten, dennoch nächstgelegenen Einödflecken verkaufen zu können. So in Kurzform & in stiller Bewunderung erzählerseits erzählt. Was konkludiert daraus? Dass man in Patagonien praktisch denkt. Dass jemand gleichzeitig hübsch und grausam und geschickt mit Messer in Hand  sein kann.  Dass Kälber und Pickups eine Konstellation bilden, die es zu vermeiden gilt. Dass ein Kalb nur bedingt ein Mensch ist; bedingt durch Lebensumstände, in denen auf einen Tierschutzvereine und Vegetarier einreden.  Konklusionen aus Geburtstagsfesten mitzunehmen ist des Bürgers oberste Pflicht. Die zweitoberste strenggenommen – nach dem Naseputzen. Konklusionen sind Webstoff für Erinnerungen. Könnte am 12. Spieltag Heribert Bruchhagen gesagt haben. (Selten gerät man an Namen, an Vor- und Familiennamen, die derlei aufeinander abgestimmt sind wie dieser „Wir, linksaußen als Kalb“ weiterlesen

Sons of Weißraumrambo

Nichts für ungut, wenn wir schon dabei sind und uns für die Ausfälle der vergangenen Woche entschuldigen wollen. Für gut aber dann auch nix: in dieser Woche allerdings. Eher eine durchmixte Angelegegenheit, falls es denn unbedingt – ausweichen gilt nicht –  um die Hippness von Sons of Kemet gehen soll. Britannies Hoffnung in Sachen Jazz. Das heißeste Ding derzeit wohl. Ein Vertrag bei Impulse!, dem Label von Coltrane. Zugegeben: Der Leader Shabaka Hutchings ein durch und durch sympathischer junger Mann. Gutaussehend und mit Zahnlücke, alles am Platz und auf Erfolg ausgerichtet also. Zwei Drummer, ein cooler Flegel an der Tuba – und eben Shabaka H. an Klarinette und Tenorsaxophon. Folglich jede Menge Rhythmus, d.h. Dynamik im Spiel. Wippen zu einer massiven Lautstärke war demnach mehr als angesagt. War Pflicht vielmehr. Taten auch viele im seit Wochen ausverkauften Klub am Mittwoch – die Körpermasse gegen die Soundwellen vom harten Stuhl aus werfen. Gleich darauf aber – zurückweichen. Man muss sich das nicht fragen, kann aber: War das auch wirklich Jazz? Jene Art Musik, die sich selbst beständig befragt, denkbare und undenkbare Möglichkeiten aufzeigt, bislang verschlossene Räume öffnet? Nein, das war selbstbewusstes, zwischendurch imposantes Nach-vorne-Dreschen. Ein gewisser Fluss immerhin darin; in dem konnte man sich für einen Bruchteil von Zehntelsekunden verlieren. Doch keine wirklichen Brüche sonst. Kaum Tempowechsel. Die Sons hätten eine gute Vorgruppe zu, sagen wir mal gewagterweise, den Foo Fighters abgegeben. Stadionrock – so ungefähr und Pi mal. Aber sympathisch „Sons of Weißraumrambo“ weiterlesen