Einmal Heimath und zurück

Heimatsound. Was für eine Wortkonstruktion. Sicher nichts für schwache Nerven. Kann sich nur eine Institution mit angekoppeltem Werbebüro einfallen lassen.  Keinen Schimmer, ob es sich der Bayerische Rundfunk (BR) selbst hat einfallen lassen, aber er protegiert die Heimatsound-Worthülse mit aller Macht, die wir den Öffentlichrechtlichen mit Hilfe unserer jährlichen Gebühren verleihen.  Man könnte mutmaßen, der BR verstehe darunter lauter bayerische Folklore – wogegen allerdings der Zusatz „Sound“ arbeitet, der neumodische Tendenzen garantiert und junge Leute an die Sendeanstalt  binden soll.  Klingt also im Vorderteil verstaubt, weil ja der Heimatverein gewöhnlich unweit des Veteranenvereins wohnt, und ein bisschen ausgleichend-nivellierend-modern im zweiten Teil dann.  Eine Konstellation wie eben aus dem Werbehandbuch: ein vermeintlicher Konflikt, der versöhnlich in einem einprägsamen Schlagwort endet. Nein, mitnichten eng ortsgebunden, der BR lokalisiert unter Heimatsound nämlich z.B. auch Österreicher. Was ja allerhand ist, kennt man die mintunter dramatisch ausartenden Wechselseitigkeiten von damals und heute zwischen den Nachbargemeinden Bayern und Austria. Wahrscheinlich hat das Vorgehen des BR nicht unbedingt Annexion im Sinn. Man will vermutlich kein Großdeutsches Reich Durchdrehender Nationen oder ein vergleichbares Hirngespinst selbststricken.  Man will bloß unter HEIMATSOUND Verwurzelung im Boden „Einmal Heimath und zurück“ weiterlesen

Conny muß sterben

Der Sommer hat unbeschwert zu sein. Auf Teufel komm raus. Unbeschwert und durch Vielfarbigkeit bestechend. Er soll uns mit innerer wie äußerer Wärme fürs Jahr versorgen. Die Erinnerung an den Sommer – die Liegematte von Tchibo, das „Ciao“ der Vespafahrer, die Calamari al dente – rettet uns immer knapp über den Winter. Wir hängen am Sommer fest wie eine Klette.  Natürlich auch, weil wir eher in einem rauheren Klima zuhause sind, weil wir ständig mehr Wärme als geliefert benötigen. Den an ihn gestellten Anspruch soll der Sommer zwar, kann er aber leider Gottes nicht immer erfüllen. Ist ja auch nur ein Mensch. – Könnte man mir nichts dir nichts behaupten, selbst wenn es von der wahrsten Wahrheit weit entfernt liegt. Denn der Sommer ist nur in Form von  Elke Sommer ( geb. 1940 in Berlin, Schauspielerin, Malerin, Tochter; galt als Sexbombe, allerdings nie für mich, da ich nicht zu den Sexbomben-affinen Jahrgängen zähle; Sexbomen-affine Jahrgänge: zwischen 1850 und ca. 1929) ein Mensch. Oder aber in Form von Dr. Sommer. Dr. Sommer von der Zeitschrift „Bravo“, der/die einst – und vielleicht sogar noch heute – die Jugend auf die eher derbe Art aufklärte. Wahlweise jene Frau aus  der Kinderbuchreihe „Conny“ von Liane Schneider.  Man könnte sich nun ausführlich über die Biederkeit gerade dieser Reihe, die freilich den Sommer nur als Nebenstrang behandelt, auslassen; und dazu in Missbilligung mit dem Fuß fest aufstampfen. Über deren unverschämte Kalkuliertheit etwa könnte man sich bis zum Ende diesesTextes auslassen. Über deren endlose Phantasielosigkeit. Über den Biedermeier in der schlimmsten großdeutschen „Conny muß sterben“ weiterlesen

Das Käppi im Staub

Alles bleibt wie es war. Die Merkel. Der Jogi. Die Sommersonne über uns. Die Kirche im Dorf. Sogar der alte Grant über die Unfähigkeit des Menschen sich zu ändern hängt unverändert in einem fest. Ist „bleibt gleich“ überhaupt eine Qualität? Oder bloß ein weiterer Alptraum? Oder doch eine Beruhingungsmaßnahme, die Gleichmut für alle Zeiten evoziert?  Ist um uns  nun Verläßlichkeit oder eher Stagnation? Keiner weiß es zur Zeit so recht. KEINER WEISS WAS. – Ohne die Einschränkung „zur Zeit“. Dies wäre überhaupt eine Zeile, die sich jeder Sterbliche über die Kommode pinnen sollte. Wir wissen so wenig doch. Aber wir wissen zur Zeit, wie man ein Nashorn mit Erfolg kunstbefruchtet. Das Nördliche Breitmaulnashorn strengenommen nur. Damit die Tierwelt so bleibt wie sie schon mal war. Darüber hat gestern morgen ein Wissenschaftler aus Berlin im Radio berichtet. Bei den Forschern des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung hat man nämlich Hehres vor. Jene besagte Nashornart soll vor dem Aussterben gerettet werden, deshalb wird fleißig mit Stammzellen und Embryonen hantiert. Den Eizellen injizierte man also das im Labor eingelagerte Sperma. Weil doch in den Genbanken von San Diego und Berlin das Erbgut der Breitmaulnashörner aufbewahrt wird. Sie lagern im flüssigen Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius. In San Diego; genau; genau dort, wo die wunderbar energiegeladene Bonnie Wright wohnt, unter Fresh Sounds wilde Konzerte in ihrem großzügigenen Haus in Mission Valley, unweit der Uni, aber – leider, leider – auch des Flughafens (20 Jahre ist es her seitdem der Hongkonger Flughafen Kai Tak , der wegen des schwierigen Anflugs sowie der Winde geschlossen wurde; kam ebenfalls im Radio gerade) veranstaltet und „Das Käppi im Staub“ weiterlesen