Kurt E. träumt

Es dürfte okay sein, dann und wann daran zu erinnern, was alles möglich ist.  In einem derlei saturierten Land wie Deutschland sowieso, einem Land, das nichts entbehren muß. Auch an Deutschland als ein Land zu erinnern, das von der preußischen Disziplinorder abweichen kann, wenn es denn mal mag; das nicht beständig die Made in Germany-Präzionsmaschine, der gut geölte Blitz  sein muß, vielmehr gelegentlich gänzlich anders kann als erwartet. Vor allem aber daran zu erinnern, wozu der Mensch fähig ist, wenn er zur Hochform aufläuft.  Was dann – im positiven Sinne – Weltbewegendes machbar ist. (Was denkbar ist, das ist auch machbar, dies als Faustregel von hier aus.) In all der politischen Resignation um uns rum – die da oben, wir da unten, die bescheißen uns doch ständig, gegen die kannst du ohnehin nichts ausrichten, Geld regiert die Welt, Haribo macht Kinder etc. –  ist es nicht schlecht sich darauf zu besinnen, auch um das Leben wieder wertzuschätzen und die Hoffnungsfahne in dessen Mitte hochzuhalten, welch einen Einfluß ein Einzelner auf das Staatsgeschehen nehmen kann. Und weil der 200ste Geburtstag des Karl Marx aus Trier in diesem noch unverbrauchtem Jahr gefeiert gehört und das Gefälle zwischen Arbeiterklasse sowie Bourgeoisie sowie der obersten Kaste eher zunimmt, könnte dieser besagte Einzelne für diesmal, obwohl gar kein strikter Marxist, Kurt Eisner heißen. Ein Kaufmannssohn jüdischer Prägung aus Berlin. Nicht unbedingt für den Kampf um die Belange des Proletariats von vorn herein prädestiniert. Ein Journalist in „Kurt E. träumt“ weiterlesen

Über alles. California zum Beispiel.

Mal gucken, ob es mir in einer Stunde gelingt. Habe mir nämlich für diesen Text  eine Deadline gesetzt. Eine Stunde muß reichen. Wobei ich, das könnte ein Einwand sein, bislang kein Thema habe. Das passiert mir zwar immer wieder, doch diesmal ist es schon knapp, weil ich ja immer am Freitag verschicken will.  Ein denkbares Objekt fürs Texten könnte das Herz von Kagemusha sein – oder wie auch immer er heißen mag; jedenfalls ein japanischer Name mit K.  (Kagemusha ist ein Alterswerk  von  Akira Kurosawa, einem Regisseur, der von Cineasten und deren Mitläufern ziemlich überschätzt wird, die den Fakt nicht erkennen, dass er von westlichen Filmemachern mehr beinflusst wurde als der Westen von ihm, doch dessen „Die Sieben Samurai“ von 1954 und „Rashomon“ von 1950 sich gut gehalten haben; außerdem hat Kurosawa Toshiro Mifune protegiert, einen grossen Schauspieler.) Das Herz von K. gehört geklaut. Das ist eine der ersten Aufgaben für einen Schuljungen aus Tokio, den zentralen Charakter aus „Persona 5“.  Bahnhof? Bis vor kurzem verstand ich auch nur Bahnhof. Bis, ja bis ich  in die weitverzweigten Welten von PS4 vordrang (Für die einen ist PS4 die Abkürzung von Playstation der vierten Generation, einer populären Spielkonsole, für die anderen das Kürzel für „Psychological Fortress bzw. 4tress, falls man Zahlenwortspiele à la Prince – von 1958 bis 2016 im Wortspielbusiness tätig –  mag, wo  sich die 12 bis Xjährigen verirren und, passt man nicht höllisch auf, nie wieder rausfinden oder aber nur nach/während PS4-Konsum mit der Wirklichkeit nichts mehr anzufangen wissen, so dass man sie über kurz oder lang einweisen muß oder aber die Daumen –i das „Über alles. California zum Beispiel.“ weiterlesen

Sich die Grießkugel geben. – Vielleicht aber nur.

Der Mensch ist schon eine recht lustige Erfindung. – Da schau her, welch ein Einstieg; klingt prägnant und ausbaufähig dazu. Ja, gegen Ende des Jahres werden wir zu Rückblick und Rückschluss gezwungen und manchmal fällt einem dann so ein Satz halt ein.  Der muss aber nicht stimmen. Doch wenn man sich kurz in des Allmächtigen Lage versetzt, nur einen Augenblick lang, dann muss der Mensch dermaßen lustig wirken, dass der Allmacht vor Lachen Tränen aus den Allmachtsaugen kullern (Tränen – so groß wie Weltkugeln; Augen – so groß wie Universen).  Der Mensch war allerdings in diesem Jahr nicht lustiger als sonst. Auch nicht unbedingt unlustiger.  Er hat schlicht seine Aufgabe als Witzfigur hiernieden mit Bravour erfüllt. Darf deshalb mit einem Pokal oder gleich – schon nach der Hinrunde, warum nicht  –  mit der Salatschüssel rechnen, die es aus den moderat schwieligen Proletarierhänden des F.–W. Steinmeier (SPD – so groß wie, nun, Herr Klein mit Hut; oder lieber: mit Baskenmütze) spätestens beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten zu beziehen gilt.  Das wird dann natürlich eine abstrakte Veranstaltung, denn F.-W. S. kann ja nicht uns alle empfangen. Und sich selber – wir unterstellen: er ist von menschlicher Natur – nur mäßig fotogen die Hand schütteln.  Es wird aber für S.-W. F. eine lösbare Aufgabe sein; ebenso lösbar wie die Regierungsbildung aus zwei durchgekneteten Volksparteien; aus Parteien, die uns – bestimmt unter Lachsalven des Allmächtigen, der freilich erst am 24.12. nach Einbruch der Dunkelheit geboren sein wird, ca. 16.24 Uhr demnach – „Sich die Grießkugel geben. – Vielleicht aber nur.“ weiterlesen

Weihnachtslügen mit Crystal & Caan

Ist Weihnachten jetzt wirklich ein Freudenfest? Wieder so eine Frage auf die es keine eindeutige oder schlüssige Antwort gibt.  Für den gemeinen Christen muss es eine Freude sein und amen.  Der Heiland ist geboren, die Hoffnung ist gross und Freude Pflicht. Alle anderen nehmen das Fest mehr oder minder motiviert mit. Ein paar Geschenke, ein paar Feiertage, dagegen ist nichts einzuwenden.  Dass Weihnachten bisweilen zum Familientreffen ausartet, dagegen vielleicht dann schon.  Je nachdem wie die Familie ausfällt, ob die nur anstrengend oder nicht zu ertragen ist.  Es wird zumeist solide gegessen an Weihnachten. Iss oder stirb, das ist fast allgemein die sympathische Vorgabe. Man isst sich dann öfter ans Sterbebett heran und Ruhe ist für eine Weile, diese ersehnte Weihnachtsruhe, weil man tagelang mit  Verdauungsvorgängen beschäftigt ist.  Kann man aber sicher mal machen.  Man lebt ja nur zweimal.  Das hat zumindest einst  der Heiland der Actionkinogänger  gesagt – 1967; Regie: Lewis Gilbert, Produktion: Broccoli & Saltzman. Und dessen Wort gilt in der 007-Kirche was; einer Reformationsbewegung, im verlöschenden Lutherjahr einer Erwähnung wert, vermutlich gegen die einfache 0, das Geburtsjahr des Herrn. Kino also.  Der beste Weihnachtsfilm also.  Der beste Weihnachtsfilm, gibt es den? Auf diese Frage fallen einem  Antworten zuhauf ein. Vor allem aber ein halblautes: Ja. Natürlich “ It’s a Wonderful Life“ mit James Steward in der Haupt- und seinem Schutzengel in einer lebensrettenden Nebenrolle. Selbstverständlich „The Fearless Vampire Killers“ von Roman Polanski. Mit dem in den MGM-Studios „Weihnachtslügen mit Crystal & Caan“ weiterlesen

Ja oder nein oder dazwischen? Leben wie der Miles.

Beim Übersetzen von Tomasz Stankos Biografie „Desperado“, die der befreundete Mäzen Reinhard H. aus der Hansestadt Hamburg, wo viele Pfeffersäcke daheim sind aber dann doch auch einige Freigeister, grosszügigerweise finanziell unterstützt, fiel mir auf, wie radikal Stanko, der Jazztrompeter, die Improvisationskunst auf das Leben anwendet.  Das Leben gehört improvisiert, sagt er mehr oder weniger durchgängig.  In die Improvisation aber, und somit ins Leben, gehören unbedingt Fehler hinein, denn erst sie öffen neue Sichtweisen, weisen neue Sichten usw.  Stanko sagt mitunter einleuchtende Dinge wie: „Kreativität kommt von Fehlern“ , „Es geht um die Frische, die aus der Überraschung über einen Fehler resultiert.“ Er holt sogar derlei aus: „Ich weiß noch, was Hancock über das Zusammenspiel mit Miles (Davis, A.d.Ü.) gesagt hat. Er erinnerte sich, wie Miles einmal eine komplett falsche Note reingehauen hat. Und seinen Fehler aushielt. Und ihn sogar noch verstärkte. Die Musik holte die Note wieder ein. Um diese seltsame Note herum entstand eine Art  Wirrwarr. Und das Ganze riss sowas von aus! Etwas geschah mit der Ausdruckskraft und der Spannung! Es brodelte unglaublich. Darauf basieren die Entdeckungen der Improvisation. Das, was Miles da spielte, das waren Fehler, nur akzeptierte Fehler. Die Charakterstärke und der Glaube an sich selbst richteten es ein, dass Miles so instinktiv reagierte. Er bog nichts weg oder versuchte es zu reparieren. Er hiiiiielt es aus! Und das Leben holte den Fehler ein! Und begründete ihn. Es tauchte ein Ding auf, das es ohne Fehler nicht gegeben hätte. Es gibt solcherlei Aufnahmen. Wo die Ausdruckskraft sich „Ja oder nein oder dazwischen? Leben wie der Miles.“ weiterlesen

Das Dorf der noch Verdammteren

Der BR2, das ist einer der Radiosender um uns, den ich gegen 6.30 Uhr einschalte und dem ich halbwegs zuhöre, während ich Brote belege, bringt morgens gerade eine Serie, die vom Flächenfraß in Bayern handelt. 13 Hektar Natur gehen täglich in Bayern flöten, weil darauf etwas gebaut wird. Parkplätze vor Discountern, Straßen, Gewerbe- und Industriegebiete, Häuser und Häuschen, die kaum in die Höhe ragen und nicht etwa, wie es sinnvoll wäre, mehrere Parteien beheimaten, sondern mit wenigen Bewohnern eher in den Naturraum immer weiter hinein drängen; mit dem üblichen Garten also, nach strikten Vorgaben überdachtem Carpark etc. Nun. Der Discounter ist für den Arsch, das wissen wir, obwohl wir alle dann und wann beim besagten ARSCH mit schlechtem Gewissen oder aber hirnlos einkaufen. Der Discounter ist mächtig und gewissenlos, obwohl ja von unseren Mitmenschen gelenkt, und kauft sich in die Gemeinden meist ohne hörbaren Widerstand ein. Der Preis ist heiß, so hieß mal eine aus dem Konsumtempel namens USA importierte RTL-Werbesendung mit Harry Wijnvoord, die Discountern den Weg ebnete; so mein Verdacht zumindest. Der heiße Preis oder aber:  Alles eine Frage des Geldes – keine Sendung, lediglich ein gängiger Spruch; dem Discounter kann man letztendlich nur mit einer Gegenmacht beikommen, in Form von Kapital oder Wurfgeschoss, die Wahl der Waffen gehört nur uns. Ihn ARSCH zu nennen ist aber immerhin

„Das Dorf der noch Verdammteren“ weiterlesen

Das Dorf der Verdammten

Das Dorf der Verdammten, so hieß mal ein Spielfilm, als Science Fiction-Horror gern bezeichnet;  1960 in England gedreht, dann 35 Jahre später von John Carpenter noch einmal nachgebaut. Carpenter hat ein paar gute Filme gemacht, dieser aber ist nicht dringend sehenswert; das Frühwerk zählt. Besser sind fraglos: Dark Star, Assault On Precinct 13 (Assault – Anschlag bei Nacht), Halloween, The Fog, Escape from New York (Die Klapperschlange), dann  war im Grunde schon Schicht mit ihm; er drehte zwar, doch ohne zu beeindrucken. Seine Musik aber, Carpenter ist auch Soundtrackkomponist, ist derzeit einigermaßen gesucht – sehr reduzierte Synthesizerklänge sind es zumeist, die simple, deshalb eingängige Melodien etwas isolliert dastehen lassen, bestenfalls mit einem Unterton von, genau, Horror. Bei Gelegenheit, weil es mich bei der bloßen Erwähnung von HORROR inzwischen immer überkommt, weise ich auf mein E-Book hin, das bei epubli schon vorliegt, bald aber auch bei anderen Portalen angeboten wird. Von Carpenter hat mein Text nichts, aber Stichworte wie Dark, Assault, Ween, Fog, Escape passen darauf zufälligerweise schon. Ist dies nun ein wirrer Einstieg? Es könnte noch wirrer „Das Dorf der Verdammten“ weiterlesen

Godzilla vs. E-Book

Für jemanden, der nicht mal extrem bibliophil ist, Bücher aber fast schon grundsätzlich mag, weil er mit ihnen aufgewachsen ist, sie an seiner Lebensgeschichte bewußt oder durch eine Abfolge von Zufällen beteiligt hat, für jemanden, dem ein Buch eine spannende und gern unterhaltsame Existenz zwischen den Welten bedeutet, für jemanden, dem  ein Buch zudem ein ästhetisches Erlebnis ist, für den ist ein E-Book ein fauler Kompromiss bloß. Für den sind Buch und E-Book ein Gegensatzpaar gar, die gegeneinander bis aufs Blut oder Druckerschwärze oder Dateiformate kämpfen. Wie weiland Godzilla versus Hedorah bis auf Kunstblut kämpften; das meint: die humanoide, affenähnliche Echse gegen ein grobschlächtiges, hässliches, gewaltbereites, hirnloses Monster. Das ein Hinweis auf einen nicht unbedingt sehenswerten japanischen Film aus den frühen Siebzigerjahren, mit dem manch einer wohl oder übel ebenfalls seine Lebensgeschichte teilt. Die Parallele zu Godzilla und dem Buch hat wie alle nicht streng mathematisch angelegten Parallelen ihr Limit. Godzilla gewann gewöhnlich ihre Auseinandersetzungen, das Buch verliert seit Jahren. Ein E-Book hat bestimmt einige Vorteile, die sich jede/jeder bitte nach Bedarf irgendwo anders aneignen sollte, wenn ihm/ihr danach ist, nicht aber hier.  Einer jener Vorteile, die mir einfallen ist: Man kann so ein Book, noch einmal: nicht zu verwechseln mit: Buch, in Eigenregie für wenig Geld produzieren lassen.  Dann an die gängigen Portale, die sich vom Verkaufspreis selbstverständlich was abzwacken, weiterleiten und abwarten. Und sich fortan Schriftsteller nennen.  Man lässt nichts für teuer drucken, streckt kein Geld vor im Unwissen, ob es je wieder eingespielt wird, muss nicht tausend Buchexemplare irgendwo lagern. „Godzilla vs. E-Book“ weiterlesen

Ins Bein schießen. Wie es geht und wo genau es weh tut.

Um sich gepflegt ins eigene Bein zu schießen:  Autorenlesungen sind mir fremd.  Musikmachen kann ich nicht, das bisschen Kontrabass mit Alexander zählt nicht, aber lesen kann ich schon seit ein paar Jahren selber. Lesungen sind des Autors zusätzliche Einnahmequelle, schon recht, doch das Brimborium um den Schriftsteller verdeckt zu oft die Qualität des Bucherzeugnisses selbst. Es ist ja auch nicht zwangsläufig so, dass  jemand, der ein Buch geschrieben hat, aus ihm gut vorzulesen vermag. Schön und gut, man möchte ein Gesicht zum Erzeugnis, kann man schwer, aber vielleicht noch verstehen. Doch ein gegoogeltes Foto tut es auch. Möglicherweise sieht der Autor darauf sogar fescher aus als live. Man überschätzt bei Gelegenheiten wie Autorenlesungen den Schriftsteller und lässt ihn ungehindert die Welt deuten. Zwar befindet er sich unter Umständen mehr in der Öffentlichkeit als der Durchschnittbürger, der öffentlich lediglich U-Bahn fährt, ins Programmkino geht oder zum Italiener, aber Wegweisendes zu erzählen muss er nicht unbedingt haben. Aus unerfindlichen Gründen scheint er befugt, den Fleck auf der Hose genauso zu kommentieren wie die Herzrhythmusstörungen des Universums.  Unerfindliche Gründe? Diese Fehleinschätzung des Autors könnte aus einer Zeit stammen, als es noch Universalgelehrte  gab, die halbwegs vernünftige Prosa schrieben, aber von Dingen außerhalb des geschriebenen Wortes mindestens ebenso halbwegs Ahnung hatten. Der Universalgelehrte, der ungefähr mit den Dinosauriern einging, konnte jedenfalls noch was von Nachhall und Bestand sagen, sogar dem unaufgeklärten Menschen einen Tipp von Wert für die Lebensgestaltung geben. Heute macht einen die Vielfalt der Stimmen platt, das Leben gestaltet allenfalls der Routenplaner. Grundsätzlich gilt, zumindest für mich, fast dies: Der Autor schreibt. Er schreibt nicht umsonst. Er möchte nicht reden. „Ins Bein schießen. Wie es geht und wo genau es weh tut.“ weiterlesen