Europower geht immer

Der Walter will es so. Dann soll er es auch genau so kriegen bitteschön. Ganz ohne Kompromisse. Rau und scharfkantig gegengeschnitten, Stück um Stück derlei unterschiedlich, dass es einem mitunter arg zusetzt. Dass man mehr zuckt denn tanzt. Nein, nicht echt & wirklich:  jederzeit tanzbar muss es zugehen; das die einzige Vorgabe. Mitunter mit viel gutem Willen tanzbar, weil da oder dort eine Falle fürs Tanzbein eingebaut ist, aber dennoch.  Freut mich irrsinnig, dass der Walter das wagt. Jemanden wie mir erlaubt, seinen eins a geführten, mit famosem Wildwuchs ausgestatteten Tutzinger Keller mit von mir ausgewählter Musik zu behelligen. Und sogar die Anlage mit einem, horch auf, Europower PMP 6000-Mixer  wie selbstverständlich zu bestücken und mir vor Flosse und Dickbauch zu kredenzen. An den Mixer schließt der Walter, der aufs Ganze zu gehen offenbar allzeit gewillt ist,  einen Technics SL 1200- Plattenspieler,  das Tool eines jeden aufstrebenden bzw. etablieren bzw. unbegabten Discjockeys. Das wird was. Wird werden. Beim Sommerfest. Am Freitag. 3.8. Mal gucken, wem die mit Irrsinn durchsetzte Setlist gefällt. Hoffentlich wenigstens Walter. Der tanzt nicht mal so oft. Wenn er aber loslegt, dann hüte dich.  Nun, da verspreche ich vielleicht zu viel.  Wie der Stenz von nebenan zu sagen pflegte: Ein bißchen Reggae geht immer.  Wie aber vom Reggae zu Wagner kommen? Am besten wohl unmittelbar.  Ohne sich mit Überbrückungskabeln aufzuhalten. Hat jemand die Neue von Christan Lindner gesehen? Gestern, auf dem Grünen Hügel in Bayreuth? Ist ungefähr 14 Jahre alt. Nicht ganz? Sieht aber wie 14 aus. Höchstens 17 dann. Wer bietet mehr? Ein halbreifes Mädchengeschöpf jedenfalls auf den ersten und einzigen Blick. Dass paßt. Weil Lindner wie ein vor Jahrhunderten, ungefähr zur Regierungszeit von Karl III, dem Zwangsneurotiker, eingemottetes Boygroupmitglied ausschaut und also alles Recht dieser Welt hat aus dem Mädchengeschöpfkessel nach Laune zu wählen. Ex-Boygroupinsasse. Wenn er nicht gerade so tut, als wäre er ein allumfassender Ortsvorsitzender der Freien Demokratischen Partei.  Oder ein Smartphone. Zur Zeit ist Ch. Lindner bloß Grünhügelianer. Nicht zu verwechseln mit Hegelianer, dem Anhänger des Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der ja ein Erfinder, in der stillen Kammer selbstverständlich, der Dialektik war, nicht aber der Farbpalette; grün inklusive. Der  „Lohengrin“ bei den Wagnerfestspielen, Bühnenbild: Neo Hanno Rauch (born: April 1960 in Leipzig; maximal fern der freien demokratischen Parteien), war Mittelmaß nur, wie man auf den Dorfstrassen hierzulande hört.  Die Inszenierrung durch einen von Chicago über Kalifornien nach Bayreuth noch gerade so ohne Strafzoll Importierten, der die Regie in einer Hauruckaktion von einem Letten (Lettland, wieder-born nach sowjetischer Besatzung: August 1991) übernommen hat, hochgradig statisch, von Rauch aus zu viel sinnloses Blau im Einsatz, die Sänger sehr unterschiedlich disponiert, aus dem Orchestergraben: der allseits urdeutsche, pathosgesättigte Thielemannsound.  Da gilt es diesmal nicht zu bedauern, dass man nicht dabei war. Wenn man hätte dabei gewesen sein sollen, dann bei der Inszenierung des Ring durch Frank Castorf vor paar Jahren, wo es Faust aufs Auge paßte und die Bühnenausstattung allein mit Hilfe von Imposanz Richard Wagners ohnehin morschem Leichnam alle noch unmorschen Knochen ein für allemal brach. Wo man sich auf offener Bühne mit Wienern, die den Frankfurtern ähneln und den Saitenwürstchen sowieso, bewarf. (Hätte sein sollen – natürlich eine weitere Floskel nur. Ich war dort bei zwei der vier Ringteile und kann bezeugen: die Wurst war echt.) Oder aber in Puch hätte man sein sollen, beim Eintagesfestival in Jetzendorf demnach.  Die effektiveste Entspannung im lieblichsten Landschaftsambiente wäre das. Nicht dieser Festivalstress à la Bayreuth oder Glastonbury oder Roskilde oder Lollapalooza. Schön übersichtlich, vor Freundlichkeit strotzend. Leider in diesem Jahr mit miesem Wetter ausgestattet. Mieses Wetter:  leider keine Ausnahme bei Puch. Liegt da ein Fluch in der allzu gesunden Luft? Möchte man, der mit harter Hand wirtschaftende Gott, diese wirtschaftsfernen Kleinveranstaltungen nicht mehr in dieser Welt dulden? Soll alles nur noch Kapital einfahren? Muss jeder von uns Lindner werden, damit es läuft? Jedenfalls war Puch diesmal nicht ausverkauft, obwohl The Notwist als Headliner auftraten. Das ist kein gutes Vorzeichen für einen imaginativen Fortgang des Geschehens auf der Erdkugel. So wird es nix mit Glück und Vergnüglichkeit.

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