Das Christkind: gestreichelt, nicht gerührt

Man kann klagen über den Mangel an Zeit, wie an dieser Stelle schon mal gelegentlich geschehen, doch merkt man jenen Mangel erst wirklich, wenn es Dezember 18 wird. Wo nicht mal Zeit für einen geraden Satz außerhalb der Jazz Podium-Welt bleibt. Diese Welt verlangt von einem nämlich derzeit vor allem eins: alles. Kein (bislang halbwegs fest einzementierter) Stein bleibt auf dem anderen, kein Familienmitglied auch nur peripher betreut, keine bisherige Ordnung insgesamt unangetastet. Der Beruf hat einen gefressen. Man teilt dabei das Schicksal von so vielen Menschenkindern.  Man opfert sich zwar in dieser zerstörerischen Weise nicht immer, doch beim JP dann doch schon ganz und gar freiwillig. Weil Jazz eine Haltung des Geistes ist, das nicht zuletzt. Und Arbeit ein Motor, der Erfüllung verheißt; weil Leistung ein Maßstab für Tauglichkeit als Mensch und als Maschine  ist; auch weil Zeitungmachen  – zwischendurch – Euphorie erzeugen kann; allemal, wenn man schließlich ein Eigenerzeugnis in den Händen hält.  (Journalisten haben eine Lebenserwartung, die knapp über der von Einstagsfliegen liegt; das nur am Rande und keineswegs als Klagelied angelegt.) So eine Herstellungsprozess „Das Christkind: gestreichelt, nicht gerührt“ weiterlesen

Uma

(Um mir den kommenden Blog zu sparen, doch gerade noch rechtzeitig vor Nikolaus, der Anfang einer Geschichte, die ich vor vielen, vielen, vielen Jahren geschrieben habe und die keins der Kinder vorgelesen haben oder selbst lesen wollte. Die komplette Geschichte gibt es auf dieser Seite in der mager bestückten Geschichten-Rubrik. – Die Formatierung ist hin, ich weiß. Kann aber im Augenblick nichts gegen sie ausrichten.)

Uma steigt ein – und aus

– Steig ein, sagte Mama, und Uma stieg ein. Die Mama rief noch: – Und grüß mir den Papa, mein Mädchen. Vom Eingang aus winkte Uma der Mama, dann schloss die Zugtür schon. Uma rieb sich die feuchte Stelle auf ihrer Wange ab, die Mamas Kuss hinterlassen hatte, und rollte ihren Koffer vor zu ihrem Platz. Wagen 511, Sitz Nummer 51, eine Eins machte da den Unterschied nur. Fünfhundertelf minus 51, was ergibt das? Wie viel noch? Sie rechnete im Gang mit den Fingern. Weniger als Fünfhundert, das auf jeden Fall, aber … Da drückte von hinten jemand gegen sie. Dermaßen gewaltig, dass sie fast umfiel. Gerade so noch konnte sie sich festhalten. Am Haar einer Frau im Sitz daneben. Uma flüsterte: – Entschuldigung. Die Frau schaute nicht mal hoch zu ihr. Von hinten hörte Uma stattdessen eine Männerstimme voll Ungeduld sagen: – Los, los Kleine, aus dem Weg jetzt. Uma machte sich dünn. Ein dicker Mann fast ohne Kopfhaar, der eine schwere Sporttasche über der Schulter trug, zwängte sich an ihr vorbei. Kein Haar auf dem Kopf, dafür wucherten seine Brauen üppig und auch aus der Nase sprossen ihm schwarze Härchen. Uma sandte dem Mann einen stummen Fluch hinterher: Des Belzebub Fluch sei mit dir, du bist kein Mensch, du bist ein Tier. Nicht dass der Fluch jemals gewirkt hätte, aber er besserte Umas Laune. An ihrem Platz angekommen, öffnete Uma mit einem geübten Ruck den Reißverschluss des karierten Koffers, den ihr die Mama vor zwei, drei, nein, gar nicht wahr, vor vier Jahren vom Kongress der Physiker in Glasgow mitgebracht hatte. Sie klappte den Deckel auf. Den im Batteriefach rostigen CD-Spieler, den ihr Vater auf einem Flohmarkt aufgetrieben hatte, nahm sie heraus – sowie eine Brotzeitdose, die Vollkornsemmeln in der Tüte, das Taschenmesser, die Schachtel mit den Feen aus Filz. Sie steckte all das in das Netz, das unten an der Rückenlehne des Sitzes vor ihr angebracht war. Eine Weile wühlte sie noch im Koffer. Wo waren denn zum Teufel noch mal die Plüschkatze und das wollene Haflinger-Fohlen, das ihr Onkel Egon, der Förster vom Silberwald, geschenkt hatte? Hier im Koffer waren sie jedenfalls nicht. Sie hielt die Tränen zurück, klappte den Deckel zu, schloss den Verschluss. Der Mensch war nicht perfekt. Nie gewesen. Sonst wäre er nämlich schneller als das Gepardmännchen. Und besser gekleidet als der Ara. Und netter anzuschauen als jedes Reh. Und kräftiger als eine Ameise. Sie versuchte ihren Koffer in die Ablage zu heben, schaffte es aber bis zu den Kleiderhaken nur, die Kräfte verließen sie dann, der Koffer fiel runter – auf die leeren Sitze gottlob. Sie schaute sich um. Passagiere. Mitreisende. Leute. Jedes der Gesichter erzählte ein Leben. Stand so in einem Buch, das sie in den Ferien gelesen hatte. Dieses Leben konnte gelungen sein oder nicht. Ein Passagier konnte ein Kotzbrocken sein, der andere ein gescheiterter Zauberer, wieder ein anderer ein astreiner Engel. Sie fragte schließlich einen alten Mann, der in der Reihe neben ihr eine Zeitung las. Dass er alt war, erkannte sie, weil er eine Zeitung fast ohne Bilder las. – Helfen Sie mir bitte?, fragte Uma. Die Frage geriet ihr zwar leise, aber verständlich.

Jazz Podium dahoam

JAZZ PODIUM ist nun umgezogen. Am vergangenen Freitag; von Stuttgart Vogelsangstraße 32, wo es Jahrzehnte residierte, zu uns. Die Adresse lautet nun, fast wie bestellt:  Am Neuland 12.  Wird auch Neuland. Obwohl nicht komplett, weil wir ja wenigstens partiell in manch einem Bereich vom Fach sind. Wird schon – und wird anders. Für alle ums Jazz Podium rum. Für diejenigen, die sich verabschieden, und diejenigen, die da sein werden, diejenigen, die es lange gemacht haben, und diejenigen, die es machen werden. Für die Leser auch. Wir schauen, was geht, dann sehen wir, was kommt. Jetzt aber eine Danksagung, die bei  jedem Buch/Blog, jedem längeren Wisch im Prinzip, der nicht von kompletter Egomanie geprägt ist, oft an den Anfang gehört. Danke zunächst an die Stuttgarter, die all das Archiv ganz solide und überaus vernünftig verpackt hatten, so dass es bei uns im perfekten Zustand ankam; an Frau Endress, an Frau Zimmerle und Frau Walker,  ebenso an Herrn Zimmerle und Herrn Weiller. Nicht weniger großen Dank aber an die Helfer, die bei uns im Dunkeln und leichten Regen die deutlich über 100 Kisten plus paar Metallschränke und Mobiliar in einer Rekordzeit – wie vornehmlich der Hanseate gelegentlich von sich gibt: wuppten. (Erster Stock, ohne Aufzug.) Danke also an Maria, Silke, Regina, Helena, Balthasar, Helmut, Malte, Vincent. Bedanken wollen wir uns ebenfalls bei der Umzugsfirma Bär. Wir werden uns gern an den netten Trupp aus noch jungen Leuten erinnern, mit denen man nicht nur über dies, sondern auch über „Jazz Podium dahoam“ weiterlesen

Wir, linksaußen als Kalb

Einen Geburtstag würdig und schon gar erinnerungswürdig zu begehen ist so leicht nicht. Nicht jeder hat sowieso den Antrieb und die Laune, schon klar; dann soll er/sie es auch lassen, auch gut. Doch wenn schon begehen, dann bitte krachend und scheppernd. So dass der Kater am Tag danach nicht auf allzu leisen Pfoten kommt. Dass der Kopfschmerz die Erinnerungswürdigkeit für die nachfolgende Generation festmacht. Wenn nicht gerade Freitanz oder geburtstagsadäquate Versteckspiele angesagt sind und man einen Platz auf der Eckbank am Holztisch zugewiesen bekommt, ist man allerdings einen Abend lang festgenietet und seinen Nachbarn also für Stunden ausgeliefert. Ein Glücksfall, wenn einer der Nachbarn was zu erzählen hat, das erzählenswert ist. Neulich schon. Neulich erzählte ein Geburtstagsfestnachbar von Patagonien. Von den Einöden im chilenischen Teil Patagoniens. Wie da ein hübsches Mädel, sein Ausdruck, ein Kalb schlachtet; und fachmännisch hernach zerlegt; und zwar nur, weil es das Kalb nicht auf den Pickup rauf kriegt, um es in dem weit, weit entfernten, dennoch nächstgelegenen Einödflecken verkaufen zu können. So in Kurzform & in stiller Bewunderung erzählerseits erzählt. Was konkludiert daraus? Dass man in Patagonien praktisch denkt. Dass jemand gleichzeitig hübsch und grausam und geschickt mit Messer in Hand  sein kann.  Dass Kälber und Pickups eine Konstellation bilden, die es zu vermeiden gilt. Dass ein Kalb nur bedingt ein Mensch ist; bedingt durch Lebensumstände, in denen auf einen Tierschutzvereine und Vegetarier einreden.  Konklusionen aus Geburtstagsfesten mitzunehmen ist des Bürgers oberste Pflicht. Die zweitoberste strenggenommen – nach dem Naseputzen. Konklusionen sind Webstoff für Erinnerungen. Könnte am 12. Spieltag Heribert Bruchhagen gesagt haben. (Selten gerät man an Namen, an Vor- und Familiennamen, die derlei aufeinander abgestimmt sind wie dieser „Wir, linksaußen als Kalb“ weiterlesen

Sons of Weißraumrambo

Nichts für ungut, wenn wir schon dabei sind und uns für die Ausfälle der vergangenen Woche entschuldigen wollen. Für gut aber dann auch nix: in dieser Woche allerdings. Eher eine durchmixte Angelegegenheit, falls es denn unbedingt – ausweichen gilt nicht –  um die Hippness von Sons of Kemet gehen soll. Britannies Hoffnung in Sachen Jazz. Das heißeste Ding derzeit wohl. Ein Vertrag bei Impulse!, dem Label von Coltrane. Zugegeben: Der Leader Shabaka Hutchings ein durch und durch sympathischer junger Mann. Gutaussehend und mit Zahnlücke, alles am Platz und auf Erfolg ausgerichtet also. Zwei Drummer, ein cooler Flegel an der Tuba – und eben Shabaka H. an Klarinette und Tenorsaxophon. Folglich jede Menge Rhythmus, d.h. Dynamik im Spiel. Wippen zu einer massiven Lautstärke war demnach mehr als angesagt. War Pflicht vielmehr. Taten auch viele im seit Wochen ausverkauften Klub am Mittwoch – die Körpermasse gegen die Soundwellen vom harten Stuhl aus werfen. Gleich darauf aber – zurückweichen. Man muss sich das nicht fragen, kann aber: War das auch wirklich Jazz? Jene Art Musik, die sich selbst beständig befragt, denkbare und undenkbare Möglichkeiten aufzeigt, bislang verschlossene Räume öffnet? Nein, das war selbstbewusstes, zwischendurch imposantes Nach-vorne-Dreschen. Ein gewisser Fluss immerhin darin; in dem konnte man sich für einen Bruchteil von Zehntelsekunden verlieren. Doch keine wirklichen Brüche sonst. Kaum Tempowechsel. Die Sons hätten eine gute Vorgruppe zu, sagen wir mal gewagterweise, den Foo Fighters abgegeben. Stadionrock – so ungefähr und Pi mal. Aber sympathisch „Sons of Weißraumrambo“ weiterlesen

Erlösung/Berlin/Jazzfest/Der Darm

Der Mensch lebt nicht von Brot allein. Er lebt auch von Brezeln. Von Dinkelbrezeln strengenommen. Wenn es ihm dreckig geht in der Magendarmgegend zumindest. Dort wohnte der Wurm schon kurz vor der Abreise aus und auch noch kurz nach der Rückkehr aus Berlin. Ein Wurm, der spie. Allerdings kein Feuer. Nun. Dies hier, dieser Blogversuch, wird abgesehen davon, dass er ab sofort  immer auf die Schnelle gezimmert wird, da das Grand Opening beim JAZZ PODIUM, also die erste Heftproduktion, immer näher rückt und Zeit ein noch rareres Gut wird, das hier wird also mitnichten ein Wurm-Spezial,  ein Berlin-Spezial aber vermutlich schon. Mal gucken. Berlin ist war für Orientierungslose, die was losmachen wollen, aber aus Eigenantrieb nix vermögen, weshalb sie viel Umtrieb um sich rum benötigen, nicht zuletzt um sich selbst am Leben zu wissen, das ungefähr war seit längerer Zeit, seit ca. Mitte der Neunziger, die Ansicht des unten Gezeichneten; wer Kreativität in sich trage, der brauche kein einziges Berlin nicht. Der kann überall. Vor gut 20 Jahren konnte man Berlin ein wenig für andere Dinge schätzen. Für den noch frischen Clash von Ost und West zum Beispiel.  Von Reibung kommt Energie, dachte man und war gespannt welche. Nicht viel kam. Es war statt dessen an zu vielen Berliner Ecken schlicht häßlich. Und zugig. Und wenn mal im Babylon ein guter Film lief oder der Castorf gerade einen Eklat vorfuhr  und man da zu sein hatte, aber gerade in An der Alten Försterei stecken geblieben war, dann galt es da  eine Entfernung zu überwinden unter deren Last man gut wahrnehmbar stöhnte. Und kein vernünftiger Kuchen in Sicht in Berlin jener Jahre. Und dann die Berliner mit deren unreinen Schnauzen auf die sie sich maßlos was einbilden. Und die Leute überhaupt, zwischen bieder und „Erlösung/Berlin/Jazzfest/Der Darm“ weiterlesen

Durch Süße zum Staub

Wenn schon OTTO, der traditionsreiche, selbst lange genug todesaffine  Versandhändler, mit Untoten wirbt, wo soll es denn dann mit dieser gutesten aller guten Welten hingehen? Geradewegs unter die Erde? Es sind strenggenommen untote Kannibalen, gemeinhin Zombies genannt, die da bei OTTO in der Ottonormalverbraucherküchenzeile zwei Techniker im Pulk bedrohen, die gerade was installieren wollen. Wenn aber deutsche, mittelständische Technik aufgefressen wird, wo soll es dann etc. ? Außer, dass man lobend erwähnen sollte, dass hier ein verschnarchter Traditionalist mal was in Reklamedingen wagt und dabei leicht geschmacklos wird und sich einen Tick übers Ziel hinaus wirft, außer dem: Warum auch nicht; man kann diesen Werbespot, ohne allzu in die Tiefe gehen zu wollen, getrost als ein zeitkritisches, gesellschaftgeiselndens, besonders die Zustände im zerfallenden Mittelstand anprangerndes Stückchen ottoisierter Filmkunst sehen und nicht nur als einen Gag, der kurz vor Halloween anfällt, jenem Fest, das hier, ein alter Ami-Trick, ohne Wurzeln Nährboden fand. Man sollte sich fest vornehmen, all jene Kinder, die da im Laufe der nächsten Woche vor der Haustür mit „Süßes oder Saures“ auf den unwissenden Lippen, mit dem dickleibigen OTTO-Katalog von Annodazumal einen überzubraten. Und zwar derlei, dass es nicht so sehr aus dem Katalog, vielmehr aus dem unwissenden Schädel staubt. Halloween ist – alleine schon durch eine Überzuckerung der „Durch Süße zum Staub“ weiterlesen

Leben fällt aus

Diesmal fällt der Blog aus. Kein Einfall und – falls es einen geben sollte – keine Zeit da, um ihn aufzuschreiben. Schade. Und furchtbar unangenehm; ist aber so. Es gibt halt Momente an Tagen, wo was zusammenpasst, und dann Momente, wo man sich was zurechtackert und kaum zu Atem kommt. Fällt also aus. Nicht mit Absicht, aus purer Not. Selbstverständlich. Die Welt gibt es  noch und man müsste in sie nur aufmerksam genug hineingucken, schon wären genug Subjekte da um sie als Objekte exzessiv zu beschreiben. An sich überhaupt keine Schwierigkeit. Das Geld mag nicht auf der Straße liegen, gelegentlich vielleicht zwei zwei Cent Stücke, die Themen aber schon.  Man läuft allerdings nicht jeden Tag mit offenen Augen & Ohren durch die eigene kleine Welt. Man ist auch mal  komplett  zu und damit undurchlässig. Tagelang mitunter. Nimmt nix an von dieser Welt. Gibt auch nix an sie weiter. Lässt sie ohne einen schmoren. Soll diese W. mir wegbleiben, mag man sich tagein tagaus vormurmeln, dämlich wie sie ist, nichts für Hirne wie dieses hier. Hirne, die die auf der Erdkugel waltende Dämlichkeit durchschauen. Mag man schon mal sagen.  Doch wohin mit sich dann, wenn diese Welt gerade so gar nicht „Leben fällt aus“ weiterlesen

Pillars: intakt & nicht

Säulen bestimmten den Verlauf dieser Woche. Säulen in unterschiedlichen Ausfertigungen. Das kommt so selten vor, dass es eine Erwähnung verdient. Weil: Wie auch immer geartete Säulen gehören zu uns dazu. Weil: Stützen ist wichtig. Braucht ein jeder. Es muss jetzt nicht an dieser Stelle großartig theorielastig werden. Mit den Eingangsworten ist auch nicht so sehr gemeint, dass die Aussichten auf das Zusammenkrachen der vermeintlichen Säulen des Freisstaates an diesem Sonntag so gut sind wie noch nie. Jene Säulen, ohnehin aus Krachledernem gebaut, sind faul genug und verdienen ein übles Ende gewiß. Nein, die CSU und ihr Markus, kein Bibeltreuer, ein Verlogenheitsapostel diesmal, dürfen sich hier nicht raumgreifend ausbreiten. Sie sind Vergangenheit, wie die Volksparteien insgesamt. Die Grünen aber kommen auf. Das freut. Die Säulen, um die es hier geht sind mehr Pillars. Das ist dann englisch für Säulen. Pillars heißt das neue Album von Tyshawn Sorey, einem US-amerikanischen Schlagzeuger und Komponisten, den man dem Jazz zuordnet, der aber weit darüber hinausblick und auch hinausgeht. Sein Werk, denn es ist ein Werk, besteht aus drei CD’s und einer LP;  selbstredend auch als Download habbar. Es sind weit über drei Stunden Musik. Da muss man erstmal durch; da MUSS man durch – alleine um sein eigenes Leben zu weiten. Um ihm eine neue Wendung zu geben. Nicht eine diametral neue, aber eine „Pillars: intakt & nicht“ weiterlesen

Geht besser runter: Einheit mit Puffer und Mus

Der Tag der Deutschen Einheit ist vorüber, doch das Einheitsgefühl zwischen Ost und Süd, zwischen West und Nord hält an.  Das wird an den Kartoffelpuffern liegen. Oder eher den Reiberdatschi; weil sie hier,  im Bayerischen am 3. 10. hergestellt wurden; zwar nicht ganz pünktlich zur Mittagszeit zwischen zwölf und eins, wie es dem Deutschen lieb ist, doch hergestellt in jedem Fall.  (Nicht zu verwechseln mit Räuberdatschi: So wird der Söder in der Bayr. Staatskanzelei von den Sekretärinnen gerufen.) Mit Hilfe der polnischen Zerkleinerungsmaschine aus dem Hause „Zelmer“ geschah das – wenn nicht gelogen, ehemals, d.h. zur Zeit von „Iron Curtain“, ein Produkteur, da reden wir mal à la Franzmann, von Panzerfahrzeugen.  Man darf ruhig eine militärische Anmutung in so einen Puffer hinein interpretieren, bei ordentlich viel Interpretationswillen allerdings nur; wie in den Söder, weil ja die Wahl hier anfällt, die Fähigkeit zur Emphase. Ganz fraglos: der Puffer eint besser als jeder Bruderkuß. Doch liegt er letztlich allzu hilflos, da wie ein Fladen, vor einem und wartet auf die kulinarische Verfeinerung, die da heißt – na, wie? Was ist des Deutschen unwidersprochener Beitrag zur Haute Cuisine? Genau: das Apfelmus. Puffer (aus Linda) und Mus (aus Boskop) macht deutschlandweit und  neben Tristan und Isolierisolde: das Liebespaar schlechthin.  Geschmacklich wenig differenziert, überaus grau/unauffällig im Outfit, stopft aber gut. Deshalb schon alleine für die Feier des geeinten Deutschlands der ideale Mittagstisch.  Wer wenig Erfahrung mit der BRD hat, sie aus erster Hand kennenlernen möchte, der fange doch bitte mit dem gerade erwähnten Paar an. Ein anderes gutes Paar gibt es allerdings auch. Das Ehepaar Meuth und Neuner-Duttenhofer nämlich, das gelegentlich im Dritten in einen Tick braver, aber letzlich kreativer Manier aus dem kulinarisch gut „Geht besser runter: Einheit mit Puffer und Mus“ weiterlesen