Der Mordsmontag

Epik bereits zu Wochenbeginn, nun ja, wer es braucht… Der vergangene Montag geriet jedenfalls derlei panoramig, dass man zu meinen glaubte, er hätte zugleich gesellschafts-  und persönlichkeitsrelevantes Format.  Das ist ein wenig übertrieben natürlich. Die neue Regierung war aber immerhin fix, der Koalitionsvertrag, laut Spiegelchen Online, kurz nach 14 Uhr unterzeichnet, freilich: nach einer den Darm belastenden Mahlzeit aus Tütensuppe und Speckröllchen à la garcon extraordinaire avec Puffreis, die Grundlage für ein ordentliches Leben nach dem Wildwuchs seit September 17 endlich geschaffen; nachdem das Land ja in den letzten Monaten mit einer Reihe von Vollpfosten zu kollidieren drohte… Zur neuen Regierung hierzulande ist allerdings mittlerweile alles gesagt. Doch halt, vielleicht nicht ganz. Ist jemandem vielleicht aufgefallen, dass Olaf Scholz, u.a. Vizekanzler, auf dem linken Augen offenbar wenig sieht. Nicht dass er links blind wäre, das nicht, niemals nicht als Sozialdemochrist, doch kneift er jenes Auge auffällig auffällig. Ist er lediglich vize, weil er nur über die halbe Sehkraft verfügt; halbsoviel wertvoll wie die Merkel? Oder war das Auge bei ihm immer schon eingeschränkt einsatzfähig? Oder schaute Scholz nur bei den Tagesthemen am vergangenen Montag des halben Auges, absichtlich, weil er von der journalistisch hölzernen, ungelenkig drängenden Pinar Atalay interviewt wurde und sie wenig ernst nahm und lediglich, gelangweilt beinahe, sein Vollmondgesicht in die statische Kamera berufsmäßig hinhielt? Im Hintergrund da: das belastbare Holzmobiliar des Hamburger Senatorensitzungsaals – oder aber ein vergleichbares Ambiente; die Fischauktionshalle etwa. Dieses Scholzgesicht reichte an Aussagekraft nach all den zähen Verhandlungen auch völlig aus, weil es Ruhe für alle Zeiten verhieß. Scholz, sehr oberflächlich betrachtet: ein gutherziger Vollmonder  in der Umlaufbahn des Politplaneten Linksvondings, wird zweifelsfrei seinen Dienst zuverlässig & mit Hanseatenstolz verrichten, darauf darf man/frau einen oder auch anderthalb lassen. Werden es auch diese hier: https://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Bundesregierung/Bundeskabinett/bundeskabinett.html tun? Nostradamus, übernehmen Sie… Antworten auf Zukunfsfragen gab es auch kurz nach den Tagesthemen nicht, ab 23 Uhr, als Pro7 mit der Late Night Berlin startete.  Man weiß, dass der Deutsche, werden wir mal gewagt & lustvoll pauschal, nicht entspannt und humorig genug vom Fließband fällt, um derlei Eskapaden – um jegliche Eskapaden? – zu wagen; vor allem nicht gegen Dunkelheit & Mitternacht, wo all das tagsüber gebunkerte Sauerkraut mit Hilfe des Magensafts angenehm verlässlich Alpträume vom Verlust des Carparks anzettelt; angenehm, da man wohl weiß, dass der Carpark wie Fort Sonstwie gesichert ist und ein Einbruch nicht mal im dunkelsten aller Alpträume denkbar wäre… Man ist bei Pro7 unentspannt & auf Sicherheit bedacht genug, um nicht in Totaloffensive zu gehen und an jedem Wochentag eine Sendung von derlei Format anzufertigen. Auch sendet man nicht live, sondern zeichnet am Montagvormittag im Studio Five zu Potsdam bis 17.30 Uhr auf.  Das darf man dann durchdacht oder kalkuliert oder feige nennen, je nach Laune. Die Sendung ist auf Klaas Heufer-Umlauf zugeschnitten, der sich durch die eine Stunde, abzüglich Werbepausen, schlawinert. Zwar ist KH-U schlagfertig und ein Jungspund zudem, strahlt aber trotz Anzug und Vollbart kaum Ernsthaftigkeit/Wesentlichkeit/unkorrumpierbare Stabilität aus. Er bleibt ein mit Hits & Misses vor sich hin scherzenderYouTuber – obwohl er doch keinen eigenen YouTube-Kanal bewirtschaftet. Seine Beiträge verhaken nicht auf länger, offenbaren selten eine zweite Ebene; entweder man lacht kurz auf und vergißt sofort worüber oder erwärmt sich erst gar nicht. Zu viel Selbstreferenz, dem TV wie der zu engen Medienwelt gegenüber, zu viel Selbstironie, die KH-U als Versteck aufsucht, zu viel Vorbild aus den USA (Fallon, Colbert, Oliver, Leno, Letterman etc.), zu viel aufgesetzte Scherzhaftigkeiten, zu viel durch zu intensiven Schemeneinsatz arg verbrauchte Luft letztendlich: Für mich kam nach 20 Minuten und einem Weißbier das Aus. Das Einschlafen gelang leider nicht sehr flott. Die Beine taten weh – vom Arbeitstag im Stehen, vom Fußball & Basketball am Abend; dazu noch vom Baumabsägen (Esche) am späten Nachmittag: der Arm; dazu noch vom Gegenwind auf dem Rad unterwegs zum Baum (Esche): die Ohren. Um diesen Montag, reichlich knapp vor Mitternacht schon,  perfekt einzutüten, kam auch noch der Schweiß auf; als mir nämlich plötzlich auffiel, dass ich beim Basketball der älteste der zehn Spieler war. War ich auch derjenige, der beim Angriff die linke Flanke zu mager bediente? Das machte mir kurz Sorgen. Andererseits. Andererseits habe ich in meinem Alter alles Recht auf jedes Weh und jedes Scholzimitat. Diese Lüge beruhigte mich dann. Bis Dienstag ungefähr.

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