Wypas!

WYPAS – diesmal keine Konsonantenhäufung, die an sich ja im Polnischen zum guten Ton gehört, aber dennoch fürs deutsche Ohr ein fremdes Wort, das ungefähr jenes meint: Sich gehen lassen, wie es das Getier auf der Wiese macht und  sich bis circa Oberkante Gutes antun. WYPAS also. Wir machen auf dieser Seite ja keine Werbung. Diesmal schon. Obwohl keine Veganer, werben wir für das Restaurant WYPAS, das eben Veganes äußerst gut schmeckend und durchdacht serviert, mit seinen Preisen nicht übertreibt und sich zudem auf überzegende Weise leger bzw. alternativ gibt. Eine kleine Hürde könnte eventuell sein, dass sich jenes Restaurant nicht gleich um die Ecke befindet, wenn man etwa in Oberbayern lebt. Von Berlin aus geht es aber – mit ein wenig gutem Willen zumindest. Da sind es nämlich nach Poznan/Polska, wahlweise  Posen/Polen, wo WYPAS in der ul. Jackowskiego 38 residert,  zweieinhalb Stunden mit dem EC; für einen Fußballanhänger, einen verbissenen Kunsttouristen, einen devoten Konzertgeher kaum eine Entfernung. In Poznan sprießt es derzeit kulinarisch und auch sonst wie in den 90ern in der deutschen Hauptstadt. Es ist wahrscheinlich der Aufbruch einer jungen Generation im Gang – oder besser:  eines entscheidenden Teils davon – , die sich gegenüber der Welt anders als ihre Vorgänger positionieren  möchte; nicht mit Kalkül, Ironie, distanzierter Businesshaftigkeit hantiert, vielmehr mit unverfälschter Emphase – oder auch:  mit ungebändigter Freude an der Vielfalt von Möglichkeiten. Die WYPAS-Betreiber sowie das angestellte Personal – lauter Zwanzig- bis Dreißigjährige – sind ein gutes Beispiel für jenen liebenswert-humanen Drang. Möglicherweise ein weiteres Kennzeichen dieser Generation: Man zeigt  Bewußtsein, indem man sich vom Fleisch und versklavtem Vieh allgemein fern hält, missioniert aber nur durch die Tat, indem man Essgewohnheiten  echte Alternativen vorsetzt, niemals aber durchs penetrante Wort. So kann es auch schmecken – und so wird man sogar auch satt, scheint man als Credo/Leitspruch/Mantra auszugeben. (Man erreicht beim WYPAS-Besuch  einen Grad an Sattheit, der mal nicht im Kreislaufzusammenbruch kulminiert oder die Säfte komplett in die Magengegend leitet, wie das hierzulange öfter geschieht.) Ferner noch scheint man an jenem behaglichen Ort uns allen  sanfter als sanft zuzuflüstern: Nicht vergessen, wir sind ein Teil dieser Welt, wir Menschenwesen hängen allesamt ziemlich aneinander. Deshalb, um Zugehörigkeit zu jedem Globusbewohner anzuzeigen – in Polen derzeit eine fast schon gewagte Aussage – , die Vielfalt der Tellergerichte. Es gibt selbstredend den Polnischen Teller, dann den Thai-Teller sowie die Japanischen, Indonesischen, Griechischen, Italienischen Teller. Es werden darauf in äußerst kreativer Art Anregungen von Küchen der jeweiligen Länder  verarbeitet, finden sich z.B. typische Gewürze ein, aber nie in bekannter und längst ausgelutscher Form. So gibt es etwa auf dem Polnischen Teller zwar frische Erbsen und auch Kascha (Buchweizengrütze), die Erbsen aber tempuragleich  in Kugelgestalt einfrittiert, während die Kascha mit sehr fein zerlegtem Gemüse angereichert  und von einer dichten, die Farbpalette der Speise wunderbar ergänzenden Soße umrandet wird. Da haben wir es bitteschön: Die Veganer bringen uns derzeit bei, den Denkapparat wieder einzuschalten.  Sich nicht auf tradierten, angegrauten und oft genug kreuzöden Gegebenheiten auszuruhen. Nicht nur zu überdenken, was man so den Tag lang zu sich nimmt, sondern nach neuen Reizen allgemein und insbesondere neuen Geschmackspaarungen zu suchen, die Entwickung des Geschmackssinns nicht als abgeschlossen zu betrachten. Das erinnert ein bisschen an den Beginn der Biobewegung in den Achzigerjahren des vorige Jahrhunderts und gelegentlich auch noch an den Innovationsdrang von heute: man lässt sich neue Saftkonstellationen einfallen, um sich von den Tengelmännern dieses Universums abzusetzen. Der Erfolg von WYPAS,  einem Kellerlokal innerhalb eines alten Stadthauses mit einer Terrasse samt Holztischen draußen auf der Straße, ist groß. Man mußte neuerdings erweitern, auch um der Küchenräume willen. Ein Essen, das angenehm weil anregend im Körper verweilt, eine dem Menschen zugeneigte Atmosphäre: WYPAS. 270 Kilometer geradeaus  gegen Osten vom Menschenfresser Berlin entfernt.

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