Pillars: intakt & nicht

Säulen bestimmten den Verlauf dieser Woche. Säulen in unterschiedlichen Ausfertigungen. Das kommt so selten vor, dass es eine Erwähnung verdient. Weil: Wie auch immer geartete Säulen gehören zu uns dazu. Weil: Stützen ist wichtig. Braucht ein jeder. Es muss jetzt nicht an dieser Stelle großartig theorielastig werden. Mit den Eingangsworten ist auch nicht so sehr gemeint, dass die Aussichten auf das Zusammenkrachen der vermeintlichen Säulen des Freisstaates an diesem Sonntag so gut sind wie noch nie. Jene Säulen, ohnehin aus Krachledernem gebaut, sind faul genug und verdienen ein übles Ende gewiß. Nein, die CSU und ihr Markus, kein Bibeltreuer, ein Verlogenheitsapostel diesmal, dürfen sich hier nicht raumgreifend ausbreiten. Sie sind Vergangenheit, wie die Volksparteien insgesamt. Die Grünen aber kommen auf. Das freut. Die Säulen, um die es hier geht sind mehr Pillars. Das ist dann englisch für Säulen. Pillars heißt das neue Album von Tyshawn Sorey, einem US-amerikanischen Schlagzeuger und Komponisten, den man dem Jazz zuordnet, der aber weit darüber hinausblick und auch hinausgeht. Sein Werk, denn es ist ein Werk, besteht aus drei CD’s und einer LP;  selbstredend auch als Download habbar. Es sind weit über drei Stunden Musik. Da muss man erstmal durch; da MUSS man durch – alleine um sein eigenes Leben zu weiten. Um ihm eine neue Wendung zu geben. Nicht eine diametral neue, aber eine von Gewicht und Dauer. Denn Pillars wirkt stark auf das Leben ein, beeinflußt die Herzregionen und das Hirn und bald die Handlungen. Mit geringfügig anderen Worten: ist imstande, Leben zu ändern. Es ist auf alle Fälle ein derlei beeindruckendes Album, dass man damit getrost eine Woche verbringen kann, es immer wieder neu und anders hört. Es ist eine Mischung aus notierter und improvisierter Musik, von einem Octet aus vier Kontrabässen und Posaunen und Gitarren und Schlagzeug und Dungchen, einem tibetischen Horn, und Elektronik und sonstwas vorgetragen. Ins Detail gehe ich hier allerdings nicht. Eine ausführliche Kritik wird es in der JAZZ PODIUM-Ausgabe vom Dezember/Januar geben. Pillars: Das war die das meiste Gewicht dieser Woche tragende Säule. Es gab aber auch eine andere. Assassin’s Creed Odyssee kam nämlich am vergangenen Wochenende raus. Bei diesem Playstation-Spiel verschlägt es die Hauptfigur in die griechische Antike. Wo aber Antike ist, sind Säulen nicht fern. Und so stolpert die Hauptfigur mitunter über Säulen. Oder klettert sie flink hoch. Oder springt von ihnen hinunter. Dass diese Figur eine Frau mit dem Namen Kassandra ist, dürfte, so heuchlerisch wie die Industrie tickt allemal, sicher dem Genderdebatten dieser Tage geschuldet sein. Ist trotz aller Heuchelei so schlecht nicht. Immerhin muss ein heranwachsender Junge bei uns im Keller mit dem Schwert einer Frau Armeen animierter Menschen um die Ecke bringen. Das gibt  ihm zweifellos was fürs Leben. Was genau? Das weiß bislang keiner. Was mir gerade auffällt: Wikipedia nennt jenes Spiel eine alternative Version des Peloponnesischen Krieges. Alternative Version, das klingt dann leider wieder nach einem wenig gebildeten amerikanischen Computerspielhersteller, der lediglich Kasse mit durcheinander gebrachten geschichtlichen Fakten machen will. Obwohl natürlich die Geschichte des Peloponnesischen Krieges auch nur von einem fehlerbehafteten Menschen wie Thukydides überliefert wurde, der vermutlich auch nur das niederschrieb, was ihm geheuer war. Leider nicht viel über die Beschaffenheit von Säulen. Nur dies hier: με γλείψε στον κώλο. Was aber nur eine minderwertige Säule der Sprachkunst darstellt. Da es ein Nachbar Griechenlands ist, doch im Grunde nebenbei und um Platz zu füllen: Auf Albanisch heißt Säule kolonë. Wer weiß damit etwas anzufangen? Altin Rraklli ganz sicher. Creed aber kann man ins Deutsche auch als Glaubensbekenntnis übersetzen. Man darf davon mit 100Pro-Gewißheit ausgehen, dass es der Markus, wenn er mal keinen Kirchenbesuch vorheuchelt, vorzugsweise am Sonntagvormittag daheim spielt. An diesem Sonntag aber nicht. Da wählt er sich als einziger selber.

2 Antworten auf „Pillars: intakt & nicht“

  1. Lieber Adam,
    Ubisoft ist ein französischer Spielehersteller. Die Assassin’s Creed Reihe kommt mittlerweile zwar vom Ableger Ubisoft Quebec, die „french canadiens“ sind aber doch mehr Europäer als Nordamerikaner. Anyhow, das Geschlecht der Hauptperson ist zu Beginn des Spiels frei wählbar, binär versteht sich.
    Wenn der Amerikaner aber Jazz macht (wozu es null Bildung bedarf) und stundenlang „rumimprovisiert“, dann ist das hohe Kunst?
    Sicher ist das neue AC kein gutes Spiel, aber objektive Kritik schadet nie. So könnte man einer generationsbedingten Befangenheit entgegenwirken.
    Grüße aus Berlin

    1. Lieber Lorenz,
      tut mir leid – gegenüber einem Kenner stehe ich doof da. Kenner habe ich auf meiner Seite überhaupt nicht vermutet. Tat aber so, als wüßte ich was, wo ich doch nur flüchtig reingeguckt habe. Das ist natürlich zu wenig, um mit Meinung in die Öffentlichkeit zu gehen. War im Ganzen ein sog. Schuß in den O. Schnell hergestellt, hoffentlich ebenso schnell vergessen. Hohe Kunst ist natürlich überall. Schließe auch nicht aus, dass sie bei Saturn im Regal des 2. OG liegt. Schlüssige Improvisation passiert nicht oft, kommt aber vor – und ist mit die höchste Kunst. Das wirst du mit 101 einsehen. Oder du stirbst unwissend.
      Herzlich: Adam

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