Der Wille will. Ein anderer nicht.

Das Holz hätten die Schlagwerker auf Klang geprüft, auf meterlange Balken erst zuschneiden und die dann am mannshohen Gerüst aufhängen lassen, sagt Alexander. Ein ordentlicher Aufwand, für den doch recht kurzen Einsatz und weil es meines Wissens nur um zwei Konzerte ging: eines in Berlin vor zwei Wochen und das am vergangenen Mittwoch im Münchner Gasteig, wo die Münchner Philharmoniker zu Hause sind. Aber nicht nur der Effekt von Holz aus war überwältigend. Das gesamte Stück haute einen, um Heidegger zu zitieren, von den selbstgestrickten Socken. Es handelte sich dabei, das ist jetzt die fällige Ergänzung, um Bernd Alois‘ Zimmermanns „Ekklesiastische Aktion“. Dies war die letzte Partitur, die Zimmermann vollendete. Fünf Tage später brachte er sich um. Um es abstruser, aber auch zeitgemäßer – zumindest für die Siebzigerjahre, wo die Republik vor lauter Kraft und Wohlstandszuwachs nicht wußte wohin mit sich – zu gestalten: Für die Olympischen Spiele 1972 hat  Zimmermann seine Aktion notiert, als Auftragswerk für die Segelwettbewerbe  in Kiel genaugenommen. Eine dezente Frage zwischendurch: Welches Sportkommitee würde heutzutage einen als „schwierig“, nein, gar nicht wahr, als: „ausgesprochen schwierig“ deklarierten Komponisten der Neuen Musik mit einem Stück für zwei Sprecher, die die Bibel und Dostojewski deklamieren sowie einen Sänger, der mitunter längere Leidensgeräusche von sich gibt plus Orchesterapparat, der fast durchgehend nur punktuell beansprucht wird, jedenfalls: beauftragen. Fragezeichen. Die richtige Antwort: kein Kommitee dieser fitnessorientierten Welt. Ja. Es ist zweitschneidig, ganz sicher, doch ich komme auch gegen Wochenende aus dem Staunen über diese  grossartige, in Musik so klar überführte Verzweifelungstat  nicht heraus – und wahrscheinlich nimmer mehr in die Socken hinein. Dabei hieß es in der Partitur lediglich: mit Hammer auf Holz schlagen. Und dann schreinern sie sich bei den Philharmonikern was zurecht, das eine Klangfarbe von über Tage tragbarer wahlweise untragbarer Wirkung abgibt. Aber die Mühe der Holzarbeit war es wert, der Effekt war groß und der Applaus für derlei unkomerzielle, tief aufwühlende, das Ende aller musikalischen Umtriebe proklamierende Musik ausgiebig. Ein Abend von grundsätzlicher Wirkung auf alle Fälle; auch, weil im zweiten Teil des Konzertabends Bruckners Neunte folgte, das schunkelselig- einschmeichelnd-machtvolle Prachtstück.  Wenn man sich die allzu rasch verrannten sieben Tage anguckt – ein Höhepunkt. Mitsamt der Party, die ja Tanzvergnügen darbot. Es ist immer schön, zu ausgezeichneter Musik das Tanzbein ein bzw. zwei Mal zu heben. Das mag schon daran liegen, dass: Wenn man selber auflegt, wird die Musik immer ausgezeichnet; das der Gang der eigenmächtigen Dinge. So laut wie bei einer Party hört man Musik auch nie privat. Wenn die Tanzfläche gut gefüllt ist, freut es einen als Gastgeber dann noch mehr. Dann ist aller Aufwand recht. Die Leute sollen nicht so viel reden/schreiben, sie sollen gefällig mehr tanzen. Das füttert sie mit Energie, macht sie gelenkig, schafft Entspannung im Nackenbereich und am Gesäß – falls man über Körper verfügen sollte. Verfügen, das ist schon das Stichwort. Habe ich jetzt „verfügen“ gesagt? Ich meine aber lediglich „verfugen“. Einen Riß im Blog zu verfugen? Kein grosser Aufwand für jemanden, der es gelernt hat.  Für einen Verfugungsmeister z.B. Für mich schon ein Aufwand. Bin nämlich kein Verfugungsmeister. Allenfalls ein Verfugungs-, dings, Luftikus. Habe ich „Luftikus“ gesagt? Ich meine aber „Airbus“. So könnte es zweckfrei eine Weile weiter gehen. Sollte nicht der reine Wille dagegen arbeiten wollen. Der dringende Wille zur Sinnstiftung.  Ich frage nach: Ja, der Wille will. JAZZ PODIUM VERFUGT DEN AIRBUS könnte man also frei von dem Zwölffingerdarm aus titeln. Geht nicht, wird nicht auf Kommando sinnvoller. Nein, der Kopf ist nicht in der Gegenwart, der ist voll mit der Zukunft. Wieviel Jazz verträgt der Mensch? Gudrun Endress ist, garantiert auch durch Jazz, randvoll mit jugendlichem Elan. Obwohl doch in gewissem Alter.  Offenbar geht Jazz und Mensch da und dort gut. Wir machen das JAZZ PODIUM nicht platt – und es macht es uns auch nicht; das haben wir uns vorerst vorgenommen. Als Vorsatz für 2019 hoffentlich früh genug.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*