Das Dorf der Verdammten

Das Dorf der Verdammten, so hieß mal ein Spielfilm, als Science Fiction-Horror gern bezeichnet;  1960 in England gedreht, dann 35 Jahre später von John Carpenter noch einmal nachgebaut. Carpenter hat ein paar gute Filme gemacht, dieser aber ist nicht dringend sehenswert; das Frühwerk zählt. Besser sind fraglos: Dark Star, Assault On Precinct 13 (Assault – Anschlag bei Nacht), Halloween, The Fog, Escape from New York (Die Klapperschlange), dann  war im Grunde schon Schicht mit ihm; er drehte zwar, doch ohne zu beeindrucken. Seine Musik aber, Carpenter ist auch Soundtrackkomponist, ist derzeit einigermaßen gesucht – sehr reduzierte Synthesizerklänge sind es zumeist, die simple, deshalb eingängige Melodien etwas isolliert dastehen lassen, bestenfalls mit einem Unterton von, genau, Horror. Bei Gelegenheit, weil es mich bei der bloßen Erwähnung von HORROR inzwischen immer überkommt, weise ich auf mein E-Book hin, das bei epubli schon vorliegt, bald aber auch bei anderen Portalen angeboten wird. Von Carpenter hat mein Text nichts, aber Stichworte wie Dark, Assault, Ween, Fog, Escape passen darauf zufälligerweise schon. Ist dies nun ein wirrer Einstieg? Es könnte noch wirrer werden. Wird es aber diesmal nicht. Ein Dorf also. Ein Dorf; ein echtes in Oberbayern, nicht auf Zelluloid oder als Datenklumpen, kann leicht zur Verdammnis werden,  passt man nur einen Augenblick lang nicht auf.  Unter die Verdammten gerät man, falls  man etwa die Idee hätte, in einem Blog regelmäßig übers Dorfgeschehen zu berichten. Unzensiert und locker wie das landeinwärts in vorwiegend CSU-regierten Gegenden die Art ist – und die eigene Art sowieso.  Doch über Leute und Stätten vom eigenen Dorf locker zu berichten ist so leicht nicht. Weil man diesen besagten Leuten tagtäglich begegnet; weil die Stätten, auch noch so verklausuliert dargestellt, letztlich jeder hier kennt.  Man liegt da ganz schnell in den Nesseln. Oder woanders, wo es noch unangenehmer zugeht; nein, nicht unbedingt gleich in einer flott von zwei Trachtlern ausgehobener Grube, auf einem frisch gegüllten Acker reicht auch schon.  Doch eine Tageszeitung brauchen die Leute doch, mag man denken, das Zeitungssterben bedauernd.  Sie sollen ruhig mal erfahren, dass der Bürgermeister aus dem Beinahe-Nachbardorf jazzaffin ist, einen e.V. in dieser Richtung betreibt – einen Verein, der zum Teil sehr ansprechende Konzerte veranstaltet, das von Joachim Kühn neulich war eins a –, einen Rathaushead abgibt, der zugleich handfest und intelligent wirkt, obwohl er eine nicht unschwierige Klientel aus allzu aufgepumpten Mitbürgern, die sich  mit Hilfe von Geld Selbstbewußtsein zugelegt haben, regieren muss, ein Bürgermeister, der wiederum den hiesigen Bürgermeister, der den Freien Wählern angehört, gut kennt und schätzt und den er als Mitglied im e.V.  gewinnen konnte, wovon ich bislang nichts wusste; ich gehe dann aber mal gleich los, nur den Berg runter, das Wetter ist überdurchschnittlich gut für November, und frage unseren Bürgermeister danach, denn er ist ein zugänglicher Kerl, der zwei offene Ohrwaschl für seine Untertanen hat, wenn er nicht gerade auf seinem verwitterten Bulldog sitzt oder auf der Weide umeinander tut, wo sein Jungvieh grast, aber jetzt ist es ohnehin im Stall schon, denn all das Grün ist mehr oder minder fort, ich frage ihn erst wie es so geht, hat was gekalbt, wie geht es dem Fonsi, der Flora, dem Toni, dem Bartl, sind die Kutschenachsen geschmiert, Ärger in irgendeiner Kindereinrichtung, steht der Trachtenverein, ist die Junge Mannschaft wochenends noch zähmbar,  hat sich die Lage im Gartenbauverein entspannt, dann erst wird es für mich wichtig, dann erst frage ich ihn nach dem Jazz. Dazu muss er dann schon was sagen können. Einen Satz, der sitzt – und ihn wählbar macht.

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